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Der Deal: Ein unmoralisches Angebot

Ein unmoralisches Angebot

von Kitty Harper (Autor:in)
300 Seiten
Reihe: Boston Celebrities, Band 1

Zusammenfassung

Sinnlicher Erotik-Roman mit expliziten Szenen, dominanten Liebhabern, widerspenstigen Frauen und einer Happy-End-Garantie! Es ist leicht, moralisch zu sein, wenn das Leben rund läuft. Aber sobald man in den Grundfesten erschüttert wird, ist man bereit, alles zu geben, um zumindest den Schein zu wahren. Logan Rush, Jungunternehmerin, steht am Abgrund. Das erste Mal in ihrer Karriere braucht sie Hilfe, um das Lebenswerk ihres Vaters zu retten. Zak Sutton bietet sich als Retter an – mit einer unmoralischen Zusatzvereinbarung. Er verlangt eine Nacht, in der sie ihm bedingungslos gehorcht – oder sie verliert alles. Doch Zak Sutton hat weitere Pläne. Statt sie wie andere Frauen für sein persönliches Vergnügen zu benutzen, zwingt er sie und ihre Firma in einen Milliarden-Deal. Doch dann kommt alles anders: Er hat nämlich nicht bedacht, dass er sich auch verlieben könnte.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kitty Harper

Der Deal: Ein unmoralisches Angebot

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Kapitel 1

Ich liebe den Regen. Besonders warmen Sommerregen, dessen sanfte Tropfen meine Haut streicheln, fast ehrfürchtig über meine Lider streichen und mir zärtlich über die Wangen rinnen. Dann lege ich sehnsüchtig den Kopf in den Nacken, schließe die Augen und blende alle Geräusche der Großstadt um mich herum aus. Und genieße. Atme tief ein. Lasse die gereinigte Luft in meine Lungen strömen. Fühle mich vervollständigt. Gestärkt. Bereit.

Wann immer ich ein anstrengendes Meeting vor mir habe, wenn ich mit einem unangenehmen Geschäftspartner verabredet bin, gehe ich raus und gönne mir zwanzig Minuten Anonymität. Lasse mich einfach in der Menge treiben. Denn sobald ich den Konferenzsaal betrete, bin ich nicht mehr einfach nur eine normale Frau, die entspannt durch die Straßen schlendert, nein, dann bin ich Logan Rush, knallharte stellvertretende CEO von Rush Industries, einem der führenden Immobilienkonzerne Bostons. Ich bin diejenige, vor deren unschuldigem Lächeln sie sich fürchten, diejenige, die knallharte Vertragsbedingungen unterbreitet, diejenige, die feindliche Übernahmen mit einem leckeren Latte macchiato begießt. Die Welt der einflussreichen Geschäftsmänner Bostons fürchtet sich vor mir, sie erzittern vor meinem Namen, vor dem, was mein Vater daraus gemacht hat.

Doch heute nicht. Heute bin ich diejenige, die zittert. Heute schlendere ich nicht gemütlich durch die Straßen, um mir meine Portion Anonymität zu holen. Dort, wo ich erwartet werde, weiß man, wer ich bin. Das, was ich im Begriff bin, zu tun, wird das Vermächtnis meines Vaters schützen. Es wird ihn schützen, ihm in den letzten Lebensmonaten Würde schenken, wann immer er klar denken kann. Ich atme tief durch und folge stoisch dem Weg, den meine Füße für mich wie von selbst gehen. Sie kennen ihr Ziel, auch wenn mein Verstand sich immer noch weigert, es zu akzeptieren. Es ist die einzige Möglichkeit, Rush Industries vor der feindlichen Übernahme zu schützen. Diesmal bin ich nicht die Jägerin, diesmal bin ich die Beute.

Wie schwere Eisenketten zieht die Angst meinen Brustkorb zusammen und hindert mich am Atmen. Noch nie in meinem Leben bin ich gezwungen gewesen, so etwas zu tun, auf solch ein Angebot einzugehen. Doch mir bleibt keine Wahl. Natürlich hat man immer eine Wahl, ich hätte ihm seine teure Seidenkrawatte einfach in den Rachen stopfen und ihn zum Teufel jagen können. Aber damit hätte ich das Lebenswerk meines Vaters zerstört. Und ich will nicht dafür verantwortlich sein, dass er die Monate, die ihm noch bleiben, mit der Gewissheit verbringen muss, dass nichts von ihm bleibt, außer dem Staub, zu dem seine Knochen zerfallen werden. Edmund Rush soll in dem Wissen sterben können, dass die Firma – SEINE Firma – sein Vermächtnis an die Nachwelt sein wird. Er soll zufrieden und ohne Reue sterben können. In all den Jahren, die er hart gearbeitet und erst spät abends nach Hause gekommen ist, will ich ihm einmal etwas zurückgeben. Deswegen bin ich hier.

Ich blicke nach unten und bleibe an den roten High Heels hängen. Sie stehen still. Fast muss ich schmunzeln, weil ich die Stimme eines eingebildeten Navigationssystemes in meinem Kopf höre. »Sie haben Ihr Ziel erreicht!« Fuck!

Ich schlucke hart und sehe auf.

Verklinkerte Backsteinsäulen, dunkle Blumenkübel und sanftes Licht. Ich brauche nicht aufschauen, ich weiß, wo ich bin. Marriott Hotel, Boston. Ich bin hier mehr als einmal gewesen, für diverse Konferenzen, zum Abendessen, weil der Italiener hier fantastisch ist, oder um jemanden zu besuchen. Aber noch nie als … Gast. Für ein paar Stunden.

Meine Eingeweide ziehen sich schmerzhaft zusammen und ich schließe die Augen. Wenn ich es nicht tue, werde ich vor Angst umdrehen und das Weite suchen. Stopp! Noch bevor ich anfangen kann, über die Konsequenzen, die meine Verweigerung nach sich ziehen würde, nachzudenken, raffe ich all meinen Mut zusammen und gehe hinein. Den Pförtner, der mir freundlich lächelnd die Tür aufhält und mich mit einem »Guten Abend, Ma’am!« begrüßt, nehme ich nur am Rand wahr. Ich ignoriere das aufgeregte Flattern meiner Nerven und gehe zielstrebig auf die Rezeption zu. Die Angestellte am Tresen lächelt mich an.

»Was kann ich für Sie tun?«, fragt das dunkelhaarige Mädchen. Mein Blick schweift zu ihrem Schild, Amber, Trainee, steht da in goldenen Lettern. Ich seufze und würde liebend gern mit ihr tauschen. Das hatte ich durchaus in Betracht gezogen. Eine ›Vertretung‹ zu schicken. Aber laut ausgesprochen hatte ich diesen Vorschlag nicht. Mit einem Zak Sutton feilscht man nicht. Das hatte ich an diesem letzten Nachmittag im August gelernt. Man akzeptierte sein ›großzügiges‹ Angebot, oder man ließ es bleiben. Ich tat es nicht … das Bleibenlassen. Ich erbat mir lediglich Bedenkzeit. Die hatte er mir gewährt. Die schlichte SMS mit den zwei Worten, die mich heute hierher geführt hatten, hatte ich nicht gelöscht. Sie widerte mich an, das Angebot widerte mich an, und trotzdem bin ich hier. Die SMS würde ich als Warnung behalten, falls ich wieder einmal an Größenwahn leiden sollte und so ein Angebot auch nur in Erwägung ziehen sollte.

»Ms.?«, erinnert mich Amber. Ich sehe auf und überspiele meine Ablenkung mit einem flüchtigen Lächeln.

»Ich bin mit Mr. Sutton verabredet«, höre ich mich sagen. Amber nickt mir zu und wendet sich ihrem Monitor zu. Klappernd fliegen ihre Finger über die Tasten und sie schaut einen Moment konzentriert auf den Bildschirm. Das Bild spiegelt sich in ihren Augen wider. Wunderschöne dunkelbraune Augen, groß und freundlich. Wie seine. Doch was er dahinter verbirgt, lässt mich frösteln. Kalte Berechnung und ein knallharter Geschäftsmann, der kriegt, was er will. Manche nennen ihn auch den Eisprinzen, weil er mit eiskalter Härte über ein Imperium von Firmen herrscht, die er von seinem Glaspalast aus verwaltet. Zak Sutton ist Inhaber eines Dachkonzerns, der mehrere Dutzend kleinere Firmen verwaltet. Genau das habe er mit Vaters Firma vor: Sie assimilieren und als weiteren Baustein seinem Palast hinzufügen. Dass er sich mit 31 Prozent zufriedengeben muss, meiner Familie die Mehrheitsanteile bleiben und er nur als lästiger Zuhörer im Vorstand hocken wird, ist dieser Zusatzvereinbarung zu verdanken. Sutton wollte etwas Süßes, etwas zum Spielen, damit er nicht einfach mit seinen Millionen wedelt und alle Aktienoptionen der Teilhaber aufkauft, und hier bin ich.

Ich schließe die Augen und atme gegen die Beklemmung in meiner Brust. Er kann es haben, wenn er uns für seine lächerlichen 31 Prozent die vereinbarte Summe gewährt.

»Zimmer 411«, holt mich Amber aus meiner Erstarrung und überreicht mir eine Schlüsselkarte. »4. Stock, Mr. Sutton hat bereits eingecheckt.« Ich zwinge mich zu einem flüchtigen Lächeln, nehme die Karte entgegen und bedanke mich höflich. Egal, was in mir gerade vorgeht, Amber wird nur die Geschäftsfrau sehen, die Dame im taillierten Trenchcoat mit den roten High Heels, der züchtigen Hochsteckfrisur und den voll geschminkten Lippen. Ich schlucke und stöckele selbstsicher Richtung Fahrstuhl.

Die Eingangshalle des Marriott ist riesig. Von außen ist sie als großzügiger Flachbau erkennbar. Wenn ich den Kopf hebe, kann ich durch das Glasdach in den Nachthimmel sehen. Es ist kalt draußen. Genau richtig, um einen Deal über die Bühne zu bringen.

Meine Finger zittern, als ich versuche, die Schlüsselkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz zu schieben. Ich bin so ungeschickt, dass ich die Karte fallen lasse. Soll das etwa ein Wink des Schicksals sein? Die letzte Möglichkeit, noch die Flucht zu ergreifen? Nein! Ein Deal ist ein Deal – ist ein Deal! Von meinen Partnern erwarte ich absolute Professionalität und nicht einen Rückzieher kurz vor Vertragsabschluss. Und genauso halte ich es auch. Was ich begonnen habe, beende ich.

Gequält verziehe ich das Gesicht, bücke mich nach der Karte. Mit der anderen Hand halte ich meinen Mantel an Ort und Stelle. Er ist kurz, viel zu kurz für das, was ich darunter trage. Oder besser gesagt: Nicht darunter trage. Die Anweisungen von Mr. Sutton sind eindeutig gewesen und ich verkneife mir einen erbosten Gedanken. Er will mich auf Knien sehen, und das wortwörtlich. Ich würge den trockenen Kloß der Angst herunter, schlucke nach und schiebe die Karte ohne weitere Verzögerungen in den Schlitz. Egal, wie sehr ich mich winde, ich werde ja doch keinen Rückzieher machen. Also kann ich es auch einfach hinter mich bringen, die Firma meines Vaters über die nächsten sechs Monate retten und dann … sehen wir weiter.

Das elektronische Türschloss gibt ein kleines Piepsen von sich und springt von Rot auf Grün. Das Zeichen, dass die Tür geöffnet werden kann. Langsam lege ich meine Hand auf den Türgriff und schließe ein letztes Mal die Augen. Noch gestatte ich mir eine winzige Emotion, eine kurze Aufwallung von Gefühlen, bevor ich die emotionale Falltür schließe und jede Regung, jede noch so kleine Reaktion, ob Angst oder was auch immer mich dort drinnen erwartet, hinter dieser Tür zu verschließen. Für die nächsten drei Stunden. Denn so viel Zeit hat er sich erbeten. Drei Stunden. Das Einzige, was mich wirklich wundert, ist, dass Mr. Sutton die Vereinbarungen nicht vertraglich festgehalten hat.

»Ihr Wort reicht mir«, hatte er gesagt und mir die Hand gereicht. Den Blick aus seinen Augen werde ich niemals vergessen, niemals! Ob er mich genauso ansehen wird? Mit dieser Geringschätzung? Das ist es gewesen, was mich wirklich verunsichert hat. Er hat nicht ausgesehen wie ein Mann, der eine Frau will. In seinen Augen hatte etwas anderes gelegen, viel Gefährlicheres. Es ist der Blick eines Geschäftsmannes gewesen, wenn er einen besonders lukrativen Deal abgeschlossen hatte. Keine Lust, kein Verlangen, nur dieser Triumph. Und das hat mir mehr Angst gemacht als alles andere.

Okay, Schluss mit den Grübeleien. Es nützt nichts. Zeit, den Deal endlich hinter mich zu bringen.

 

*

 

Entschlossen drücke ich die Klinke hinunter und … erstarre. Dunkelheit schlägt mir entgegen. Nicht die absolute Finsternis, eher eine wirkungsvolle Düsternis. Hotelzimmer gleichen wie ein Ei dem anderen. Es gibt ein Bett, einen kleinen Schreibtisch mit einer Sitzgelegenheit. Vielleicht noch die Möglichkeit, auf einer Bank den Koffer abzustellen. Diese brauche ich nicht, denn Gepäck habe ich nicht dabei. Und über Nacht würde ich auch nicht bleiben.

Und dann gibt es eine gemütliche, kleine Sitzgruppe. Dieses Hotelzimmer hatte eine. Nicht, dass ich sie sehen kann. Die Vorhänge sind zugezogen und meine Augen noch an das Licht im Gang gewöhnt. Weshalb ich wusste, dass es diese Sitzgruppe gibt? Weil er darauf sitzt. Die Silhouette eines Mannes zeichnet sich vor der verschwindend geringen Helligkeit ab, die das verdrängte Tageslicht in den Raum lässt. Gerade genug, um ihn zu erkennen. Kurzes Haar, breite Schultern. Ich kann seine Beine sehen, übereinandergeschlagen in einer feinen Bundfaltenhose. Der Mann trägt einen Anzug. Es kann sich nur um Zak Sutton handeln.

Erstarrt bleibe ich in der Tür stehen. Sein Anblick fasziniert mich, zieht mich in seinen Bann und trocknet meinen Mund schlagartig aus. Ich räuspere mich hastig. »Guten Abend, Mr. Sutton«, überspiele ich meine Unsicherheit.

Der Mann bewegt sich. »Guten Abend, Logan.« Seine warme Stimme jagt mir einen Schauer über den Rücken. »Ich freue mich, dass Sie es sich in letzter Sekunde nicht anders überlegt haben.« Wenn er gewusst hätte, wie kurz davor ich gewesen war, einfach fortzulaufen. Aber eine Rush kneift nicht. Meine Mundwinkel zucken, weil ich ihn hatte überraschen können. Es wird das letzte Mal für heute sein, fürchte ich.

»Wir haben einen Deal und ich halte mich an Vereinbarungen«, erwidere ich.

Sutton räuspert sich. »Sehr schön. Wenn Sie dann so freundlich wären, Ihren Mantel abzulegen und die Tür zu schließen.«

Die Panik überrollt mich wie eine Lawine und umfängt mich mit eisiger Kälte. Jetzt fängt es an. Ich stelle meine Tasche ab und will die Tür schließen.

»Nicht so, anders herum. Erst der Mantel, dann die Tür«, hält mich Sutton auf.

Ich halte irritiert inne. Das kann nicht sein Ernst sein. »Sie wissen doch, was ich …«

Sutton räuspert sich. »Deshalb, Ms. Rush, genau deshalb.«

Ich zögere. »Jeder wird mich sehen können.«

»Genau wie ich. Ziehen Sie den Mantel aus, Ms. Rush.« Er hebt die Hand und deutet auf einen kleinen Tisch neben der Eingangstür. »Ziehen Sie vorher die Maske auf. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, meinen Befehlen zu folgen, wenn Sie sich einbilden können, dass niemand Sie sehen kann, wenn Sie nichts sehen.«

Auf dem Tisch liegt eine Maske, wie manche Menschen sie zum Schlafen tragen. Ich nicht, denn ich schlafe kaum. Die Sorgen um die Firma lassen mich selten vor drei Uhr nachts zur Ruhe kommen. »Das kann nicht Ihr Ernst sein.« Die Maske kann nur eines bedeuten. Dass er das Licht anmachen will, aber nicht gewillt ist, mich etwas sehen zu lassen. Ich werde die Kontrolle an ihn abgeben, an Zak Sutton. Aber habe ich das nicht schon, indem ich diesem verrückten Deal zugestimmt habe? Die Kontrolle über mich an ihn abgeben?

Sutton wird ungeduldig. »Denken Sie an die Vereinbarung. Sie haben zugestimmt, mir für drei Stunden bedingungslos zu gehorchen, egal, was ich von Ihnen verlange.«

Bebend nicke ich und greife nach der Maske. »Brave Mädchen werden belohnt«, murmelt er und beschert mir eine Gänsehaut. Zitternd schiebe ich mir die Maske über die Augen und verknote sie unter meinem Dutt. Sutton hatte auf hochgesteckte Haare bestanden. Mein Herz hämmert, als mich die Dunkelheit einhüllt. Aber nicht vor Panik, o nein. Jede Faser meines Körpers vibriert. Erst recht, als seine tiefe und sonore Stimme erneut erklingt.

»Der Mantel, Logan«, sagt er heiser. Auf eine erregende Weise schenkt mir die Dunkelheit Mut. Obwohl ich weiß, dass er mich sehen kann, dass seine Augen jeden Zentimeter meines Körpers erkunden, habe ich keine Angst. Vielleicht weil ich seine Reaktion nicht sehen kann? Ich weiß es nicht. Ich spüre nur unglaublich viel Mut und dass meine Finger endlich aufgehört haben zu zittern, als ich den Gürtel meines Trenchcoats löse. Wie in einem schlechten Film, denke ich nüchtern, und öffne meinen Mantel. Langsam löse ich Knopf für Knopf und lasse ihn schließlich von meinen Schultern gleiten. Sutton zieht daraufhin scharf die Luft ein und ich … lächle. Ich genieße es geradezu, mir seine Reaktion vorzustellen. Genieße die Wirkung, die mein Anblick auf ihn hat. Schließlich weiß ich, wie ich aussehe. Schwarze Spitze, die mehr zeigt, als sie verhüllt. Ein Hauch Stoff, der über meinen Brüsten spannt, sie sanft anhebt und gekonnt in Szene setzt. Ich wette, dass das Licht vom Flur so fällt, dass er die Nippel durch die Spitze hindurch sehen kann. Das Höschen ist ein Vorbote der Hölle. Als ich hineingeschlüpft bin, ist mir der Schlitz, der den Steg teilt, nicht entgangen. Er reibt bei jedem Schritt sanft über meine empfindlichste Stelle und lässt meinen Körper nach Erlösung betteln. Meine Beine sind in schwarze Seidenstrümpfe gehüllt, die mit Strapsen an einem Strumpfgürtel befestigt sind. Verboten wie die Hölle. Mir hat es gefallen und ich hätte fast mein Taxi verpasst, so lange habe ich mich im Spiegel bewundert.

»Darauf warte ich seit Tagen. Seit Sie meine Eier in den Verhandlungen in der Hand hatten.« Keine Ahnung, was er damit meint. Der umgekehrte Fall trifft eher zu. Sutton hatte von Anfang an mich in der Hand. Stück für Stück hat er mich auf den Abgrund zugetrieben, um mir schlussendlich einen Strohhalm zu reichen, versehen mit den Bedingungen meiner Kapitulation – oder wie er es nennt: dem Deal.

Suttons Stimme lässt mich erschauern und ich verharre zitternd im Türrahmen, weiß, dass meine Kehrseite in den Flur ragt und jeder Vorbeikommende mich sehen kann. Obwohl das natürlich völliger Blödsinn ist, glaube ich, das Licht im Flur als Wärmequelle wahrzunehmen. Nein, es ist nicht das Licht, das ich spüre. Warmer Atem streift meinen Nacken, bewegt sanft die feinen Härchen am Haaransatz. Und ich erstarre. Zur Salzsäule. Was zur Hölle …? Ich nehme den Duft eines männlichen Deos wahr. Da ist ein Mann, und er steht hinter mir. Verdammt! Sutton hat sich nicht bewegt, das hätte ich gespürt. Nun ja, vielleicht doch? Allerdings kann er sich unmöglich in der Kürze der Zeit und von mir völlig unbemerkt von seinem Platz am Fenster so schnell bewegt haben, dass er nun hinter mir steht. Das lässt nur einen Schluss zu und der treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. Ein anderer Mann.

»Gehen Sie in den Raum.« Seine Stimme ist tiefer als Suttons, was meine Vermutung nur bestätigt.

»Sie verdammter Dreckskerl«, keuche ich. »Dafür werden Sie bezahlen.«

»Kommen Sie, Logan, denke Sie an das Geld.« Ich schlucke hart und erst, als eine schwere Hand sich um meinen Nacken schließt und eine andere zärtlich meine Pobacken knetet, trete ich ein, getrieben von dem Verlangen, wegzukommen. Und doch bin ich gefangen.

 

*

 

»Keine Angst«, murmelt er und lässt seine Lippen hauchzart über meine Ohrmuschel wandern, während seine Hand mich im Nacken festhält. Ich wimmere leise. »Das hier wird dir gefallen, wenn du mitspielst.«

»Das wird sie, keine Sorge.« Sutton. »Ms. Rush steht zu ihren Vereinbarungen, nicht wahr?«

Ich erspare mir eine Antwort. Er weiß genauso gut wie ich, dass ich mitspielen werde.

»Nimm die Hände auf den Rücken«, murmelt der Mann. Ich will mich ihm entziehen, doch er verstärkt den Griff um meinen Nacken. »Du kannst gehorchen und es genießen, oder eben nicht und ich tue es trotzdem. Wie wirst du dich entscheiden?«

Ich schlucke trocken und gehorche. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich mich ganz bewusst unterwerfe. Aber der Tonfall des Mannes lässt keinen Zweifel zu, dass er bekommt, was er will. Und das er es notfalls mit Gewalt durchsetzen wird. Also mache ich, was er verlangt. Seine Hände gleiten über meine Arme zu meinen Handgelenken hinab. Ich spüre kaltes Metall und das Schnappen einer Handschelle, kurz darauf folgt die zweite. Ich fröstele, aber nicht, weil mir kalt ist. Nein, mein Körper steht bereits in Flammen. Ich fröstele, weil ich weiß, dass das nicht diese Art von Handschellen aus einem Erotikshop sind, die, die man mit einem kräftigen Ruck lösen könnte. Nein, das sind Handschellen, wie sie Polizisten verwenden. Und die lassen sich nicht ohne Schlüssel öffnen. Der Mann meint es verdammt ernst und macht keine halben Sachen. Fuck, wo bin ich hier nur hineingeraten?

Ich höre das Rascheln der Vorhänge und nehme an, dass sie wieder aufgezogen werden, damit sie mich ansehen können. Ich allein mit zwei Männern und zu Gehorsam verpflichtet. Das ist mehr, als ich ertragen kann. Das Verlangen, diese starken Hände auf mir zu spüren, überwältigt und verwirrt mich zugleich. Noch nie habe ich so empfunden, noch nie hat mich jemand in eine solche Lage gebracht. Ich war immer die starke Geschäftsfrau, vor der die Geschäftswelt Bostons erzittert. Und jetzt stehe ich hier, gefesselt und dem Willen zweier Männer ausgeliefert. Himmel! Das Pochen zwischen meinen Schenkeln macht mich wahnsinnig. Der Wunsch, dass sich endlich jemand diesem verstörenden Gefühl annimmt, macht mich irre. Und der Gedanke, dass es mir tatsächlich gefallen könnte, verschreckt mich.

»Bitte«, kann ich mich selbst flehen hören. Angewidert verziehe ich die Lippen. Eine Rush fleht nicht. »Das war nicht Teil unseres Deals«, widerspreche ich mit fester Stimme. Der Mann knabbert sich zärtlich zu meiner Halsbeuge hinab, was meine Stimme wanken lässt. Erregt atme ich tief ein, versuche, die verräterischen Zeichen meines Körpers zu ignorieren. Aber meine Pobacke, die sanft von ihm geknetet wird, macht mein Vorhaben zunichte und ich höre mich das Wort »Deal« keuchen.

Sutton lacht. »Und ob, Ms. Rush. Sie haben eingewilligt, mir für drei Stunden zu gehorchen. Dieser Mann ist Teil des Deals. Gehorchen Sie ihm und …«

»… Sie sehen dabei zu?«

Sutton lacht kehlig. »Ich will Sie auf Knien sehen, bettelnd, keuchend, stöhnend, beherrscht. Und ich will es genießen. Wenn ich es tue, kann ich es nicht sehen. Verstehen Sie?«

Ich komme nicht mehr dazu, etwas auf Suttons Frage zu antworten. Vorwitzige Finger schlüpfen zwischen meine Schenkel und erkunden meine Spalte. Ich keuche auf, als er einen zweiten Finger hinzunimmt und mich sanft massiert. Der Mann weiß genau, wie er mich anfassen muss. Jede seiner Berührungen entlockt mir Laute der Lust. Ich kann gar nicht anders.

»Ich will …«, stöhne ich, während er seinen Daumen auf meine Klitoris presst.

Sutton lacht. »Sie wollen in den nächsten Stunden gar nichts, außer gehorchen.«

»Ficken Sie sich doch selbst!«, schnappe ich und der Griff um meinen Nacken verstärkt sich, die Finger stoßen kräftig in mich und entlocken mir einen gequälten Schrei.

»Nur du wirst hier gefickt«, murmelt er und erhöht das Tempo.

»Stopp!«, hält ihn Sutton auf und erhebt sich. Der Mann gehorcht sofort und hinterlässt mich pochend, bebend, unbefriedigt. Ich ringe verzweifelt um Atem, doch das Einzige, woran ich denken kann, ist, dass irgendjemand etwas gegen das quälende Pochen zwischen meinen Schenkeln unternehmen muss. Dringend! Hätte mir der Mann nicht die Hände auf dem Rücken fixiert, ich würde selbst etwas dagegen tun – und auf Suttons Deal scheißen! Jawohl.

Auf ein Zeichen Suttons hin, drückt mich der Kerl zu Boden und ich gehorche. Egal, was sie von mir wollen, ich bin bereit, es zu tun. Und mich beschleicht das ungute – ja, das geradezu verbotene Gefühl – dass ich bald einen von ihnen in mir haben will. Noch während ich mich in der ungewohnten Position – auf den Knien mit High Heels – wiederfinde, streift eine sanfte Berührung meine Wangen und die Maske wird mir vom Gesicht gezogen. Hart greift der Typ in mein Haar und zwingt mich, Sutton anzusehen. Dabei überdehnt er meinen Hals und entlockt mir ein gequältes Keuchen. Sutton steht über mir und öffnet den obersten Knopf seiner Hose. Gierig lecke ich mir die Lippen, was Suttons Augenbraue interessiert nach oben wandern lässt.

»Wollen Sie mir etwa einen blasen, Ms. Rush?«, fragt er schmunzelnd. Ich beiße mir auf die Unterlippe, doch das Pochen zwischen meinen Schenkeln treibt mich zu einer Antwort.

»Ja«, keuche ich und öffne einladend den Mund.

Sutton schnappt nach Luft. »Das kommt … unerwartet.« Ich kann es gar nicht abwarten – und hasse mich dafür selbst. Keine Ahnung, was diese Situation mit der selbstsicheren Geschäftsfrau angestellt hat, aber ich giere förmlich danach, von einem der beiden genommen zu werden. Ich will, dass sie es tun, verdammt noch mal! Damit meine Qual ein Ende hat und ich über die Klippe stürzen kann – wie man so schön sagt. Es ist so verdammt lange her. Und es wird noch viel länger dauern.

Sutton tritt lächelnd zurück und verschließt seinen Hosenknopf wieder. »Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, Ms. Rush, aber ich hatte nicht vor, heute Sex mit Ihnen zu haben. Noch würde ich James erlauben, weiterzugehen.« Sutton beugt sich vor und leckt sich die Lippen. »Ich wollte lediglich wissen, wie weit Sie gehen würden, um die Firma zu schützen. Das allein war der Sinn dieser Übung.« Dann tritt er an mir vorbei und nickt James – der Name des Mannes, den ich für einen kurzen Moment fühlen durfte – zu. »Mach sie los, James. Schau nicht so beleidigt, ich besorge dir eine Nutte für unterwegs.« Dann sieht er erneut auf mich herab, während James wortkarg die Handschellen löst.

»Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, Ms. Rush.«

Kapitel 2

Ich hasse ihn! Noch nie in meinem Leben bin ich so gedemütigt worden. Er hätte mir nicht mehr wehtun können, wenn er dabei zugesehen hätte, wie der Typ mit mir schlief. Aber nein! Stattdessen hat er noch viel mehr getan. Er hat mich mit vor Verlangen pochenden Eingeweiden zurückgelassen und ist einfach … gegangen! Als wollte Zak Sutton nur eine Theorie testen und mich hat er als Versuchskaninchen auserkoren. Er hatte zwar gesagt, er wolle dabei zusehen, aber ich glaube, er fürchtet sich eher davor, sich zu verbrennen. Das wiederum zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Denn es beweist, dass der Eisprinz durchaus zu Empfindungen fähig ist.

Ich könnte mich nicht mehr missbraucht und beschmutzt fühlen, als wenn er mich persönlich genommen hätte. Nur das hat er nicht getan. Mir weicht das Lächeln aus dem Gesicht, als etwas klar wird: Ich hätte es genossen, Zak Sutton zu spüren. Der Mann war keine Augenweide, er war nicht einmal besonders muskulös. Okay, vielleicht tue ich ihm unrecht und unter dem Maßanzug verbirgt sich ein durchtrainierter Körper. Meine Finger kribbeln freudig und mich durchzuckt der Gedanke, dass ich es gern, viel zu gern, herausfinden würde. Es ist seine Ausstrahlung, die ihn so wahnsinnig anziehend macht. Ein Mann, dem man hinterher sieht. Aber nicht, weil er wie ein Topmodel aussieht, nein, es ist die Art, wie er sich bewegt, die Selbstsicherheit mit einer Spur Arroganz, fähig, sich das zu nehmen, was er will. Ihm schleicht der Ruf nach, das durchaus zu tun. Ob Firmen oder Frauen, er macht da kaum einen Unterschied. Und mich hat er verschmäht. Das macht mich wahnsinnig … wütend.

Seit er da in der Dunkelheit gesessen hat, ich nur seine bedrohliche Silhouette im Halbdunkel des späten Nachmittags gesehen habe, ja, seitdem bekomme ich dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf. Zugegeben, der muskulöse Mann, der mich festgehalten, gefesselt und ihm präsentiert hatte, war bestimmt eine Augenweide gewesen. Doch seinen Blick habe ich nicht gesehen. Und das macht ihn deutlich weniger attraktiv. Nein, Mr. Suttons eiskalte Augen hatten für einen Augenblick aufgeflackert. Ist es Verlangen oder Zufriedenheit gewesen? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich weiß nur, dass das, was ich gesehen habe, mein Interesse geweckt hat.

Auf der einen Seite bin ich tödlich beleidigt, dass er mich verschmäht hat. Und auf der anderen Seite will ich mehr. Ich will sehen, wie diese Augen vor Überraschung weit aufgerissen sind, wie Erkenntnis in ihnen aufflackert, oder ja – und das ist noch viel besser – Erregung. Ob der Eisprinz vor Begierde aufflammen und zu Wasser wird?

Dieser Widerspruch zerreißt mich seit Tagen. Der Wunsch, ihn wiederzusehen, ihm in die Augen zu blicken, um herauszufinden, wie er mich nach diesem Nachmittag ansehen wird, ist übermächtig.

Ein paar Tage nach dem kleinen Vorfall lädt Sutton zu einer Besprechung ein. Er ist Vorstandsvorsitzender von Sutton Enterprices, einem Dachkonzern, unter dessen Schirm Sutton Firmen verschiedenster Branchen vereint. Sutton Enterprices selbst stellt Baumaterialien her – wie passend, dass bald ein Bauunternehmen mit einer Wohnungsgesellschaft dazu gehört. Er hat mir von seiner Sekretärin ausrichten lassen, dass er mich als stellvertretende Geschäftsführerin von Rush Industries gern dem Vorstand vorstellen würde und dazu ein Meeting einberufen hat. In Anbetracht unseres Deals nehme ich an, dass er seine Entscheidung bezüglich der Firma meines Vaters seinem Vorstand mitteilen wird. Wenn alles glattgeht, wird sich Sutton Enterprices mit einer sechsstelligen Summe einkaufen. Sutton werden einunddreißig Prozent des Unternehmens gehören, meinem Vater weitere fünfunddreißig Prozent, zudem der Vorstandsvorsitz. Die restlichen Prozente verteilen sich auf ein paar kleinere Teilhaber, darunter meine Schwester Betty mit zehn Prozent, ich mit ebenfalls zehn Prozent. Sutton wird damit nicht nur zum Miteigentümer, sondern auch zum Mitbestimmer … wenn man so will, zum Boss. Als Großaktionär will er natürlich Bescheid wissen. Zwar behält die Familie die Oberhand, doch fast alle Entscheidungen der Firma müssen mit einer Mehrheit von siebzig Prozent getroffen werden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Sutton jede Entscheidung blockieren kann. Klingt kompliziert? Das ist noch gar nichts. Mir schwirrt jedes Mal der Kopf, wenn mein Vater über Aktienoptionen referiert oder versucht, die Immobilienblase am Mittagstisch zu erläutern. Früher einmal … heute redet er nicht mehr viel.

Als stellvertretende Geschäftsführerin von Rush Industries bin ich heute hier, damit Sutton mich seinem Vorstand vorstellen kann. Mir erschien der Vorwand fadenscheinig und hohl. Um seine Entscheidung mitzuteilen – zumal er sich mit einem Großteil seines Privatvermögens einkauft – hätte es mich nicht persönlich gebraucht. Nein, ich war bereits drauf und dran, seiner Sekretärin – die er zweifelsohne fickt, so aufgetakelt wie das Luder hier in High Heels herumstolziert – einen Korb zu geben. Aber dann reizt mich die Neugierde. Wie wird sich Sutton mir gegenüber verhalten? Wie wird er mich ansehen? Ist ihm überhaupt anzumerken, dass er weiß, wie ich in schwarzer Spitze aussehe? Wie ich stöhne, wenn ich kurz vorm Kommen bin? Ich muss es wissen. Also bin ich gekommen.

Doch statt mich so zu behandeln, wie es sich für jemanden in meiner Position gehört, werde ich auf die Besucherbank gesetzt. Mr. Sutton befinde sich noch im Gespräch, hat mir das Luder mitgeteilt, und mich im Wartebereich vor Suttons Büro abgeladen. Die komplette Front ist verglast, allerdings blickdicht. Ich kenne diese Sorte von Glas. Auf Knopfdruck kann er den Sichtschutz aufheben und seine Mitarbeiter beobachten. Doch Mr. Sutton hat seine Ruhe haben wollen. Warum auch immer. Ich höre ihn im Inneren reden, gedämpfte Laute dringen zu mir durch, während das Luder an ihrem Schreibtisch sitzt und die langen Beine mit den roten High Heels übereinanderschlägt. Dazu trägt sie ein feuerrotes, viel zu aufreizendes Kleid. Mr. Sutton mag rot, geht es mir durch den Kopf. Ich beiße die Zähne zusammen und versuche bewusst nicht an meine roten High Heels zu denken, die ich seitdem nicht wieder angezogen habe. NIE WIEDER!

Ich gestatte mir, während ich vor Suttons Büro warte, einen Moment der Schwäche. Meine Wut steigt, je länger ich hier sitzen muss. Und ich will es ihm heimzahlen. Nicht nur den verdammten Deal. Es war meine Entscheidung und ich stehe dazu, bereue nichts. Nein, ich will ihm heimzahlen, dass er zugelassen hat, dass ein anderer Mann mich anfasst und er dabei die Kontrolle behalten hat. Dass mich diese verdammte Situation so erregt hat, und … dass ich nicht kommen durfte. Das Verlangen ließ sich durch nichts stillen, nicht einmal, als ich selbst Hand anlegte. Ich brenne und lechze nach ihm und das macht mich wütend. Wie eine Bittstellerin hier zu warten, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ja, Sutton, ich fühle mich mächtig verarscht und ich will mich rächen. Und … ich will in seine Augen sehen, wenn er kommt. Ich will Macht über ihn … und ihm die seine über mich entreißen!

Hastig beiße ich mir auf die Unterlippe, kneife die Beine zusammen und starre verbissen auf die Silhouette, die sich hinter dem Milchglas auf und ab bewegt. Eine gemurmelte Verabschiedung, dann wird es still. Sutton läuft hin und her, bevor das Glas durchsichtig wird und sein Blick auf mich fällt. Keuchend atme ich aus. Verdammt. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich den Atem angehalten hatte. Bebend schließe ich die Augen und verpasse mir eine imaginäre Ohrfeige. Damals – als ich noch jung und unerfahren war und auf den heißesten Typen der High School hereingefallen war – hatte ich mir geschworen, dass kein Kerl mir je wieder den Atem rauben wird. Kein Mann wird mir je wieder so sehr den Kopf verdrehen, dass ich aufhöre, rational zu denken. Kein Mann … und bestimmt kein Zak Sutton. Ich schlucke, atme tief durch, straffe die Schultern und öffne die Augen. Sein Blick trifft mich bis ins Mark, doch ich weiche nicht zurück. Im Gegenteil. Ein Lächeln umspielt meine Mundwinkel und ich nicke ihm anerkennend zu. Gott, wie bescheuert. Man zollt einem Kerl doch nicht Respekt, weil … ja, weil was? Weil er mich halb nackt gesehen hat? Nein, eine Frau würde das nicht tun. Die würde ihm eine saftige Ohrfeige verpassen. Doch so wird das Spiel in der Geschäftswelt nicht gespielt. Ich bin keine normale Frau, ich bin eine Löwin –  oder will zumindest so tun, als ob. Also zolle ich ihm mit einem anerkennenden Nicken Respekt für seinen Schachzug. So wie es Männer unter sich tun. Ein imaginäres Schulterklopfen, eine stille Gratulation, damit ich das Hotelzimmer abhaken kann. Mit einer Niederlage ist noch nicht der ganze Krieg verloren.

Sutton erwidert mein Lächeln und nickt mir zu. Strike. Herausforderung angenommen.

 

*

 

»Es tut mir leid, dass Sie warten mussten, Ms. Rush«, sagt Sutton mit einem falschen Unterton und nimmt zur Begrüßung meine Hand. Ich lasse mir von ihm gentlemanlike aufhelfen, ziehe mein Kostüm glatt und setze ein falsches Lächeln auf. Sutton weiß, dass das Lächeln nicht echt ist, aber er spielt mit. So macht man das eben. Man heuchelt sich gegenseitig Freundlichkeit vor, und bohrt dem Gegner dann das Messer in den Rücken, sobald er sich umdreht. Fein.

»Ach, das ist doch kein Problem, Mr. Sutton«, heuchle ich zurück. »Immerhin sind Sie ein viel beschäftigter Mann.« Mein Blick fällt demonstrativ auf die Sekretärin, die mich ihrerseits feindselig anstarrt. Ich bedenke sie mit einem milden Lächeln. Schätzchen, du musst noch viel lernen.

Sutton folgt meinem Blick. Für einen kurzen Moment blitzen seine Augen auf. Vielleicht Erregung mit einer Prise Verachtung? Ich habs gewusst. Er vögelt sie, aber nur, weil sie freiwillig die Beine breit macht. Sie scheint ihm keine Herausforderung zu sein.

»Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ms. Rush. Wollen wir?« Galant legt er meine Hand in seine Armbeuge und dreht sich mit mir von seiner Mitarbeiterin weg. Ich lasse ihn den Gentleman spielen und nehme mir einen Moment Zeit, meine Reaktion auf ihn zu beurteilen, während er mich zum Konferenzzimmer führt. Ich muss annehmen, dass es dorthin geht, denn für etwas anderes bin ich nicht hier. Meine Hand liegt auf seinem Arm. Aus Neugierde verstärke ich den Druck. Ich habe Mr. Sutton bisher nur im Anzug gesehen, doch mich interessiert, was sich darunter verbirgt. Ohne das er es hoffentlich merkt, taste ich vorsichtig nach seinem Unterarm. Und was ich fühle, lässt mich lächeln. Der lange Ärmel verbirgt kräftige Muskeln. Ich sehe kurz auf und begegne Suttons wissendem Blick. Ob ich ertappt wegsehen soll? O nein. Ich lasse ihn wissen, dass mir gefällt, was ich fühle und es mir vollkommen egal ist, dass ich erwischt worden bin. Ist ja nicht so, dass ich vorhabe, ihn ranzulassen. Ganz bestimmt hat der Eisprinz andere Vorliebe. Willige Frauen zum Beispiel, die auf seinen Befehl hin auf die Knie gehen. Ich verschlucke mich bei dem Gedanken und überspiele das Keuchen mit einem Räuspern. Toll, als ob ich noch einmal vor ihm auf die Knie gehen würde! O nein, er wird vor mir knien! Jawohl. Das wäre mein absoluter Traum. Noch habe ich keine Ahnung, wie ich so etwas bewerkstelligen könnte. Zak Sutton ist nicht der Typ Mann, der vor einer Frau auf die Knie geht. Nicht einmal für einen Heiratsantrag. Wie bitte? Mit einem hastigen Räuspern verscheuche ich den Gedanken und konzentriere mich wieder auf den Eisprinzen.

»Warum haben Sie mich eingeladen, Mr. Sutton? Doch nicht, um Ihrem Vorstand … Ihre neueste Eroberung vorzustellen?«, überspiele ich die Stille und könnte mir im gleichen Augenblick auf die Zunge beißen. Eroberung? Sehe ich mich so? Also wirklich!

Sutton reagiert mit einem arroganten Lächeln. »Manche Männer sammeln Autos, andere Frauen. Ich sammle Firmen.«

Diese Bemerkung lässt mich überrascht nach Luft schnappen. »Im Ernst?«

Sutton lacht kehlig. Der Laut jagt mir einen angenehmen Schauer über den Rücken. »Natürlich. Ihre Firma ist mir seit Jahren ein Dorn im Auge. Ihr Vater hat mich auf dem Immobilienmarkt mächtig ins Schwitzen gebracht. Zeit, dass ich seine Schwäche ausnutze und mich in die Firma einkaufe, oder?«

Jegliche amourösen Gedanken verschwinden. Ich beiße mir auf die Unterlippe und schlucke den bösen Kommentar herunter. Verschlucke mich fast daran. Mein Vater leidet seit ein paar Jahren an zu viel Alkohol im Blut. Seit sechs Monaten lässt er sich behandeln und ich habe die Leitung der Firma übernommen. In dem Maße, wie er die Beherrschung verliert, muss ich ein Paar Schuhe ausfüllen, welches noch immer eine Million Nummern zu groß ist. Ich mag vielleicht auf dem Immobilienparkett als gefürchtetes Raubtier gelten, doch dieses Image habe ich hauptsächlich meinem Vater zu verdanken. Er hat mich angeleitet … und kurz nachdem er sich ›zur Ruhe‹ gesetzt hat, geht alles den Bach runter und ich verscheuere seine Firma an die Konkurrenz. Nein, Sutton ist uns dermaßen auf die Pelle gerückt, dass mir der Vorstand keine Wahl lässt. Ich muss sein Angebot – inklusive Zusatzvereinbarung – annehmen. Zumindest habe ich Schadensbegrenzung betrieben, indem er – durch die Zusatzvereinbarung versüßt – auf den Mehrheitsanteil verzichtet, sich mit seinen Anteil zufriedengab und … nur einen Sitz im Vorstand beansprucht. Er hat alles haben können, doch er will mich. »Ein sehr gelungener Schachzug«, presse ich mühsam beherrscht vor. »Und jetzt haben Sie mich als Ihre Trophäe eingeladen? Damit Sie sie dem Vorstand präsentieren können?«

»Ich genieße meine Siege eiskalt, wie Sie bereits festgestellt haben dürften, Ms. Rush.« Ich schließe die Augen und verstärke den Griff um seinen Unterarm, spüre noch festere Muskeln und verfluche den Schauer, der mich dabei durchzuckt. Er ist der Feind, also reiß dich zusammen.

»Wozu diese Scharade?«, spucke ich aus. »Wozu dieses kleine Spielchen in dem Hotelzimmer?«

Sutton lacht. »Macht, Ms. Rush, es geht nur um Macht.«

»Sie wollten mich auf den Knie sehen?«

»Genau wie ich sagte: Ich wollte wissen, was Sie bereit sind, zu opfern. Sie haben mich nicht enttäuscht.«

Mittlerweile stehen wir vor dem Konferenzzimmer, ein Glasbau ähnlich Suttons Büro, nur mit dem Unterschied, dass der Raum von einem riesigen Tisch mit mindestens zwölf Sesseln dominiert wird. Der Vorstand von Suttons Firma hat sich bereits vollständig eingefunden. Das ein oder andere Gesicht kommt mir bekannt vor, alles Größen aus der Bostoner High Society. Ich sehe auf und mustere Sutton argwöhnisch. »Inwiefern?«

Sutton deutet mit dem Kinn in das Innere des Konferenzraumes. »Sie, Ms. Rush, stellen das Wohl Ihrer Firma über Ihr eigenes. Genau wie ich.« Er verzieht verächtlich das Gesicht, während er fortfährt. »Außerdem gehorchen Sie mir, das ist eine Eigenschaft, die diese Menschen dort drinnen nicht zu schätzen wissen.«

Mir entweicht ein belustigtes Schnauben. »Ich gehorche Ihnen nicht, Sie haben mich praktisch erpresst und mir keine Wahl gelassen.«

»Und trotzdem wurde Ihnen kein Leid zugefügt, oder? Sie haben absolut professionell reagiert. Ich habe in Ihre Firma investiert, weil ich das zu schätzen weiß. Hätten Sie sich im Hotelzimmer geweigert, hätte ich mein Angebot sofort zurückgezogen. Mit Ihnen will ich meinem Vorstand demonstrieren, was passiert, wenn man sich mir widersetzt.«

Trotzig recke ich das Kinn. »Ich werde mich nicht von Ihnen vorführen lassen.«

Sutton legt seinen Fingerknöchel unter mein Kinn und hebt es sacht an. »Doch, das werden Sie. Sie werden vor mir auf die Knie gehen, wenn ich es verlange.«

Ich kann gerade noch dem Drang widerstehen, ihm die Hand wegzuschlagen. Verdammt, er kann sich noch immer aus dem Deal zurückziehen. Die Vertragsunterlagen wurden noch nicht unterzeichnet, sie liegen derzeit bei unseren Anwälten und werden geprüft. Fantastisch. Ich schlucke meinen Ärger herunter und beschränke mich darauf, ihn wütend anzufunkeln. »Das werde ich …«

»Passen Sie auf, Ms. Rush, was Sie sagen. Natürlich werde ich Sie nicht bitten, vor mir auf die Knie zu gehen. Wenngleich das durchaus sehr reizvoll war.« Er lässt seinen Blick über mein schlichtes Kostüm schweifen. Obwohl es grau und trist und das absolut Langweiligste ist, was ich in meinem Kleiderschrank finden konnte, habe ich das Gefühl, nackt vor ihm zu stehen. Mir jagt ein heißer Schauer nach dem anderen über den Rücken. »Allerdings interessieren mich solche Arrangements nicht. Sehen Sie es als Win-Win-Situation. Ich demonstriere Macht und Sie bekommen eine hübsche Stange Geld, die Sie hoffentlich vernünftig investieren werden. Deal?«

Ich schlucke trocken und nicke. Suttons Hand liegt noch immer an meinem Kinn, eine Spur zu lange, als dass ich ihm glauben würde. Er atmet tief durch, bevor er seinen Daumen über meine Kinnpartie gleiten lässt. Seine Mundwinkel zucken flüchtig, bevor er die Hand wegnimmt, auf dem Absatz herumwirbelt und ganz ungentlemanlike ins Konferenzzimmer stürmt. Er wartet meine Antwort nicht einmal ab. Sein Abgang hat ein bisschen was von einer Flucht.

»Deal«, entgegne ich nüchtern, obwohl er das schon nicht mehr hören kann. Er ist sich meiner Antwort so sicher. Ich bewege meinen Kiefer, weil ich das Gefühl habe, an der Stelle, wo er mich berührt hat, nichts mehr zu fühlen. O nein, Mr. Sutton interessiert sich überhaupt nicht für solche Arrangements. Im Gegenteil, er ist ein ziemlich schlechter Lügner, wenn es darum geht, seine Emotionen zu verbergen. Mit einem Grinsen im Gesicht folge ich ihm in den Konferenzraum und schwöre mir, ihm dieses Meeting zur Hölle zu machen.

 

*

 

Sutton steht hinter dem Sessel am Kopfende des riesigen Tisches und begrüßt mich mit einem Nicken. »Verzeihen Sie, dass ich Ihnen nicht den Vortritt gelassen habe, Ms. Rush. Aber ich wollte Ihnen einen Auftritt gönnen, der Ihnen würdig ist.« Er schenkt mir ein absolut professionelles Lächeln und streckt mir seine Hand entgegen, die ich ergreife und mich von ihm vor die Augen der Anwesenden ziehen lasse. »Nicht, dass Sie denken, ich hätte meine Manieren vergessen«, wendet er sich mit leicht geneigtem Kopf seinem Vorstand zu. Die Anwesenden räuspern sich amüsiert und ich zimmere mir ein professionelles Lächeln ins Gesicht und werfe es wortwörtlich in die Runde. Dabei versuche ich, meine Verwirrung nicht zur Schau zu tragen. Auftritt? Wohl eher seiner, denn meiner. Offensichtlich will er seinen Triumphzug beginnen, indem er bei mir Verwirrung stiftet.

»Ms. Rush ist heute hier, weil ich mich mit einem Teil meines Privatvermögens in Rush Industries eingekauft habe.« Beifallheischendes Gemurmel seines Vorstandes, ich hingegen presse die Zähne zusammen, wodurch mein Lächeln eher wie ein Fletschen wirkt. Sutton verstärkt den Griff um meine Hand. Irritiert sehe ich ihn an. »Rush Industries gehört also zu einunddreißig Prozent zu Sutton Enterprices. Fortan werden wir gemeinsam an einem Strang ziehen, statt uns gegenseitig die Aufträge streitig zu machen. Im Gegenzug habe ich Ms. Rush einen Platz in unserem Vorstand angeboten. Sie hat diese Zusatzvereinbarung zum Glück akzeptiert. Denn nur, wenn wir zusammen vorangehen, erreichen wir gemeinsam unser Ziel. Nicht wahr, Ms. Rush?« Sutton beugt sich über meine Hand und funkelt mich an. Kaum wahrnehmbar beißt er sich auf die Unterlippe. Seine Mundwinkel zucken triumphal. »Akzeptieren Sie die Zusatzvereinbarung, Ms. Rush?«

Mir stockt der Atem. Nicht, weil er mir so nah ist. Nein, die Zusatzvereinbarung … ich war fest davon ausgegangen, dass er den Sitz im Vorstand MEINER Firma für SICH beanspruchen würde, nicht umgedreht. Dieser verdammte Mistkerl. Also gut, wenn er spielen will, werden wir spielen. Ich hole tief Luft, klebe mir erneut das Dienstlächeln ins Gesicht und hüstele, um meine Verlegenheit für alle Anwesenden sichtbar zu machen. »Sie wissen doch, Zak, ich akzeptiere Ihre Zusatzvereinbarungen immer. Sogar ohne Ihre Unterschrift.«

Suttons Mundwinkel zucken zufrieden. »Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann. Auf gute Zusammenarbeit, Ms. Rush, und herzlich willkommen bei Sutton Enterprices.« Damit presst er seine Lippen auf meine Haut und ich will verdammt sein, wenn ich nicht gerade seine Zungenspitze gefühlt habe, mit der er vorwitzig über meine Haut gleitet. Ein Schauer durchläuft mich und ich fröstele. Sutton bemerkt es und schenkt mir einen wissenden Blick. Oh, ich bin so was von geliefert. Doch statt den Reaktionen meines Körpers zu folgen, beißt sich ein interessanter Gedanke in meinem Hinterkopf fest. Mr. Sutton hat sicher auch Bedürfnisse. Wenn ich die wecken könnte, würde sich möglicherweise eine Option eröffnen, ihn tatsächlich vor mir in die Knie zu zwingen. Okay, der Sitz in seinem Vorstand ist eine nette Geste. Doch der Eisprinz tut nichts ohne Hintergedanken. Ich habe so das Gefühl, dass ich eine Menge Möglichkeiten haben werde, herauszufinden, was er mit diesem Schachzug bezwecken will.

»Zu freundlich, Ms. Rush«, murmelt er und weist mir einen Platz direkt neben seinem Sessel am Kopfende des Tisches zu. »Lassen Sie uns also nun zum Tagesgeschäft übergehen!«, fährt er ohne Umschweife fort, schiebt seinen Sessel beiseite und betätigt einen Knopf, der an der Unterseite des Tisches angebracht ist. Sein Blick fällt dabei auf meine übereinandergeschlagenen Beine. Während eine Projektionswand herunterfährt, verirren sich seine Augen irgendwie in dem tiefen Tal zwischen meinen Schenkel. Unwillkürlich begegne ich seinem Blick und muss schlucken. Hart schlucken. Die Augen des Eisprinzen gleichen eher dem Höllenfeuer schlechthin. Seine Zähne graben sich tief in seine Unterlippe und mich hält es nicht länger auf den Polstern. Hitze kribbelt genau dort, wo ich eigentlich einer Tiefkühlbox gleichen will. Es pocht so ungeduldig, dass ich unruhig meine Beine entwirre und sie auf den Boden stelle, nur um etwas kühle Luft zwischen die erhitzten Schenkel zu lassen. Das wiederum hat zur Folge, dass Mr. Suttons Blick genau in den Hohlraum fällt, der zwischen meinen Beinen sichtbar und nur notdürftig von meinem Rock verdeckt wird. Ich schlucke trocken. So, so …

Mr. Sutton kann sein Interesse kaum überspielen. Hastig räuspert er sich, richtet sich auf und wendet sich der Leinwand zu, wo ein Assistent irgendeinen Bericht anzeigen lässt. Mich interessiert der Bericht reichlich wenig, er soll es, denn Suttons Zukunft ist auch die Zukunft von Rush Industries. Aber ich kann mich kaum konzentrieren. Suttons Blick geht mir nicht aus dem Kopf. Auch wenn er behauptet, nicht an solchen Arrangements interessiert zu sein, war sein Blick eindeutig. Ich lächle siegessicher und beschließe, seinem Interesse auf den Grund zu gehen.

Während Sutton vor der Leinwand auf und ab geht und über Quartalszahlen referiert, stelle ich meine Beine etwas weiter auseinander. Die Bewegung könnte als zufällig durchgehen, doch für Sutton ist sie von Bedeutung. Sein Blick fliegt mir zu und landet direkt dort, wo ich ihn haben will. Ich bewege den Drehstuhl so, dass keiner seiner Mitarbeiten mich sehen kann, spreize die Beine noch ein wenig weiter und warte. Sutton stockt in seinen Ausführungen und starrt mich einige Sekunden an. Ich beschließe, noch ein Stück weiterzugehen, und schiebe den Rock höher. Immer weiter …

Sutton gibt ein ersticktes Räuspern von sich, bevor er mit den Quartalszahlen fortfährt. Er beschleunigt sein Sprechtempo, wodurch seine Stimme einen hektischen Tonfall annimmt. Im Hotelzimmer hat er mich gedemütigt, in welcher Form auch immer, doch hier und jetzt kann ich es ihm heimzahlen. Jede qualvolle Sekunde, die er sich meiner nicht angenommen hat. Ich lächle triumphal, koste den winzigen Sieg, ohne über die Konsequenzen – die es zweifelsohne geben wird – nachzudenken, aus und genieße Suttons Keuchen, als ich den oberen Knopf meiner Bluse öffne. Noch einen, und noch einen. Langsam verbreitere ich den Kragen, sodass zwar noch alles bedeckt ist, Sutton aber dennoch tiefe Einblicke gewährt werden. Stockend redet der weiter und ich beschließe, noch einen draufzusetzen, ihn für die Sex-Verweigerung, für qualvoll lange Tage ungestillten Verlangens, zu bestrafen.

Ich versenke meinen Blick tief in seinen Augen und lasse meine Hand zwischen meinen Schenkel verschwinden. Sutton fällt der Zeigestab mit einem lauten Klappern aus der Hand. Erschrocken zucke ich zusammen, aber nur ein kleines Bisschen.

»Verzeihung«, murmelt Sutton und bückt sich bereits nach dem Gerät. Er geht in die Knie und als er den Blick hebt, trifft dieser genau auf meine weit gespreizten Beine, auf meine Finger, die sanft meine feuchte Spalte massieren. Ich stöhne leise auf, so leise, dass nur er es hören … und sehen kann. Suttons Augen huschen nach oben, gleiten über meine Brüste, bleiben an meinen Lippen hängen. Lasziv beiße ich mir auf die Unterlippe und schließe die Augen. Keine Ahnung, was er dann tut. Das pochende Verlangen zwischen meinen Schenkeln verlangt meine ganze Aufmerksamkeit.

»Ich entschuldige mich«, keucht Sutton und ich öffne die Augen. Mittlerweile steht er wieder, allerdings ist er an den Tisch herangetreten. Mein Blick fällt auf seinen Hosenschlitz. Die Beule, die sich an deren Vorderseite abzeichnet, ist nicht zu übersehen. »Mir geht es nicht gut. Bitte entschuldigen Sie mich.« Er wirft mir einen warnenden Seitenblick zu, was mich dazu bringt, meine Finger sofort aus mir herauszuziehen, den Sessel zu drehen und die Hände sittsam im Schoß zu falten. »Ms. Rush, auf ein Wort. In meinem Büro. Sofort«, knurrt er, dreht sich auf dem Absatz um und stürmt aus dem Konferenzzimmer. Dabei nimmt er eine in der Wand verborgene Tür. Clever. So kann er einen filmreifen Abgang hinlegen, ohne die Beule in der Hose dem Vorstand zu präsentieren.

Ich räuspere mich verlegen und sehe in die Runde. Niemand wirft mir einen Blick zu. Wenn jemand bemerkt haben sollte, dass meine Bluse vor ein paar Minuten noch zugeknöpfter war, so lässt er oder sie es sich zumindest nicht anmerken. Und meinen Rock kann sowieso niemand sehen, da er unter dem Tisch verborgen ist. Ich bin äußerst zufrieden. Mr. Sutton ist aus dem Konzept gebracht geflohen. Diese kleine Schlacht kann ich wohl für mich verbuchen.

Kapitel 3

Es dauert ein paar Minuten, bis ich in Suttons Büro trete. Er thront hinter seinem Schreibtisch – wohl um die Beule in seiner Hose zu verbergen – und starrt mich mit unverhohlener Aggressivität an.

»Verzeihen Sie, Mr. Sutton, aber ich musste mir noch eine Menge Glückwünsche abholen. Wenn ich geahnt hätte, dass Sie mich mit einem solchen Angebot überraschen wollen«, flöte ich. In keiner Weise will ich mir anmerken lassen, wie sehr er mich mit dem Platz in seinem Vorstand überrumpelt hat … oder dass ich im Konferenzzimmer vor seinen Augen herumgefingert habe.

»Sparen Sie sich Ihr Getue«, herrscht er mich an. »Was sollte diese Scheiße?« Oh, er benutzt vulgäre Ausdrücke. Anscheinend ist er sehr wütend … oder sexuell unausgelastet. Ich tippe auf Letzteres.

»Ich? Wer hat denn mit dem Getue angefangen?«

»Das war … nur eine Machtdemonstration. Es sollte nicht dazu dienen …« Sutton verstummt und sucht nach dem richtigen Wort.

»Wozu?«

»Sie herauszufordern.«

Ich verschränke die Arme vor der noch immer weit geöffneten Bluse. Vielleicht sollte ich noch einen Knopf öffnen. Doch ich will es nicht übertreiben. »Das haben Sie aber. Sie können nicht erwarten, dass ich mich so einfach von Ihnen demütigen lasse.«

»Es hat Ihnen doch gefallen«, knurrt er zurück.

»Es hätte mir noch viel mehr gefallen, wenn Sie zu Ende gebracht hätten, was Sie angefangen haben«, erwidere ich schnippisch.

Sutton klappt der Mund auf und dann starrt er mich mehrere Sekunden sprachlos an. Als er merkt, wie dämlich das aussieht, klappt er den Kiefer zu und räuspert sich verlegen. »Soll das etwa heißen, Sie hätten mit James geschlafen?« James, ah, das war der Name des anderen Mannes.

Ich schüttele den Kopf. »Nicht mit ihm.« Suttons Blick entgleist wenn überhaupt noch ein wenig mehr.

»Sondern?«, fordert er mich heraus.

Ich lächle hintergründig. Sutton schluckt hart.

»Komm um den Schreibtisch herum«, knurrt er und betätigt einen Knopf. Ich brauche mich nicht umdrehen, um zu wissen, dass er den Milchglas-Sichtschutz aktiviert hat. Doch wenn er denkt, ich würde hier mit ihm vögeln, hat er sich aber geschnitten. Dennoch gehorchen meine Füße. Sutton lässt mich nicht aus den Augen, während er einen Knopf an der Sprechanlage aktiviert.

»Bitte keine Störung, Sonja.« So heißt sie also, aber das interessiert mich gerade nicht. Ich speichere es für später und lasse mich neben Sutton auf der Kante seines Schreibtisches nieder.

»Mach die Beine breit«, keucht er. Mein enger Rock lässt mir nicht viel Bewegungsfreiraum, doch ich stelle meine Beine so weit auseinander, dass mühelos eine Hand unter meinen Rock schlüpfen kann, wie ich ja bereits bewiesen hatte.

»Sie sollten sich an Ihre Erziehung erinnern, Mr. Sutton. Das ›Du‹ habe ich Ihnen noch nicht angeboten.«

Suttons Hand zuckt verräterisch. Noch lässt er sie einfach neben seiner Computertastatur liegen, doch sie ist nur Zentimeter von meinem Oberschenkel entfernt. Er hebt den Kopf und starrt mich unverblümt an.

»Machen Sie die Beine breit, Ms. Rush«, presst er mühsam beherrscht hervor. »Bitte!« Meine Mitte pocht so heftig, dass ich die Zähne fest in die Unterlippe graben muss, um nicht laut zu stöhnen. Keine Ahnung, was ich vorhabe, wirklich. Mein Plan, Sutton einfach nur einzuheizen und ihn dann mit zuckendem Schwanz zurückzulassen, löst sich in Luft auf. Ich werde von dem Gedanken beherrscht, seine Finger in mir zu spüren. Bebend schließe ich die Augen.

»Sagen Sie das auch zu Ms. Sonja?«, murmele ich, während ich nach dem Saum meines Rockes greife und ihn langsam nach oben schiebe. Suttons Augenbraue zuckt, seine Lider flattern und sein Blick senkt sich auf meine Schenkel. Langsam drücke ich die Knie auseinander. Sutton holt scharf Luft, stößt sich mit den Füßen ab und lässt seinen Schreibtischstuhl zurückrollen.

»Weiter«, keucht er und rollt zwischen meine geöffneten Schenkel. In meinem Mundwinkel setzt sich ein zufriedenes Grinsen fest, als mein Blick auf die Beule in Suttons Schritt fällt. Wenn möglich ist sie sogar noch größer als ich sie in Erinnerung habe. Sutton will weiter auf mich zurollen, doch ich hebe meinen High Heel und setze ihn an die Kante der Sitzfläche, genau zwischen seine Beine, dort, wo sich die Beule ungehorsam gegen den Stoff seiner Hose drückt – und halte ihn auf. Auch wenn meine Sinne bereits nach seiner Berührung lechzen, werde ich ihn so schnell nicht ranlassen.

»Na, na, Mr. Sutton, Sie würden doch nicht mit einem Vorstandsmitglied vögeln?«

In Suttons Blick flackert ein Hauch Panik auf, als ich die Spitze meines Schuhs auf die Beule senke. Keuchend verdreht er die Augen. »Sie quälen mich, Ms. Rush.«

»Sie haben mich gequält. Ich vergelte nur Gleiches mit Gleichem.«

»Ich finde, ich habe mich vor meinen Kollegen heute schon genug zum Spott gemacht. Das sollte Ihnen als Wiedergutmachung genügen«, raunt er und legt seine Hand in meine Kniekehle, die durch mein Manöver mit dem Schuh in seine Reichweite gelangt ist. Zärtlich fährt er meinen Unterschenkel ab und beschert mir damit heiße und kalte Schauer, die sich zwischen meinen Schenkeln sammeln. Ich lege den Kopf in den Nacken und lächele sehnsüchtig. Seine Finger schließen sich um meinen Knöcheln, entfernen vorsichtig meine Schuhspitze von seinem Schritt und platzieren sie auf der Armlehne seines Schreibtischstuhls.

Ich hebe den Kopf und mustere ihn argwöhnisch. »Was haben Sie vor?«

Jetzt ist es an Sutton, hintergründig zu lächeln. »Ich will fühlen, was Sie mir bereits gezeigt haben.«

Ich beiße mir auf die Unterlippe, lasse ihn keine Sekunde aus den Augen. Der Eisprinz kann verdammt heiß aussehen, wenn das Verlangen in seinen Zügen die Oberhand gewinnt und er auf sein arrogantes Gehabe verzichtet. Seine Hand wandert langsam an der Unterseite meines Schenkels nach oben. Und nur, weil er dabei so heiß aussieht, verzichte ich darauf, ihn sofort zurückzuweisen. Ich will es hinauszögern, die Grenze so weit überschreiten wie möglich. Gott, ich kann doch nicht einfach hier … »Auf die Knie«, keuche ich erregt.

Suttons Finger bohren sich in meinen Oberschenkel. Sein Blick ist brennend heiß vor Verlangen, doch in seinen Augen flackert Trotz. Tja, mein Lieber, im Hotelzimmer hat er die Regeln gemacht, hier mache ich sie. In seinem Büro. Mit dem Hintern auf seinem Tisch und mit gespreizten Beinen. Was genau hat mich geritten, es so weit kommen zu lassen?

»Sie überschreiten Ihre Kompetenzen, Ms. Rush«, raunt er, gleitet von seinem Stuhl und sinkt vor mir auf die Knie. »Schieben Sie Ihren Rock höher und spreizen Sie die Beine. Dann will ich über diesen Fehltritt hinwegsehen.«

Ich schlucke hart. Er kniet vor mir und doch behält er die Kontrolle. So sollte das nicht ablaufen. Ich wollte ihn auf den Knien vor mir haben und mich nicht meinem Verlangen hingeben. Doch statt von Suttons Schreibtisch zu rutschen und ihm einen »Guten Tag!« zu wünschen, kann ich seinem Befehl gar nicht schnell genug Folge leisten. Hastig hebe ich unter seinem lustvollen Blick meinen Hintern, schiebe den Rock bis zur Taille hinauf und setze mich mit weit gespreizten Beinen vor ihm ab. Ich kann seinen gierigen Blick kaum ertragen. Die kühle Luft streift die erhitzte Haut an meiner empfindlichsten Stelle und Sutton zieht scharf die Luft ein, während er meine pulsierende Mitte mustert.

»Tragen Sie etwa …?«

»Ja«, keuche ich und lehne mich zurück. »Das gleiche Set, dass Sie mir für die Zusatzvereinbarung haben zukommen lassen.«

Suttons Hände wandern über die Innenseite meiner Schenkel nach oben, schieben sich in den teilbaren Steg des Slips und tasten sich zu meiner Mitte vor, als würden sie ein Schlachtfeld erobern, dass ihm bereits gehört. Verdammt. Ich gehöre ihm nicht … der Gedanke schießt mir trotzig ins Gehirn, und doch komme ich nicht gegen die Empfindungen an, die seine geschickten Berührungen auslösen. Seine Hände fühlen sich anders an als James’, weicher, vorsichtiger, ja geradezu ehrfürchtig zeichnen sie meine Haut unter der schwarzen Spitze nach und liebkosen den noch relativ unempfindlichen Bereich außerhalb meines Lustzentrums. Von beiden Seiten.

Seine flachen Hände liegen auf meinen Schenkeln, während seine Daumen links und rechts neben meinen Schamlippen ein äußerst reizvolles Programm absolvieren. Oh, nein, Zak Sutton hat sexuelle Qualen vielleicht nicht erfunden, aber er weiß sich ihrer zu bedienen. Mir entweicht ein Stöhnen nach dem anderen und dann passiert es. Seine Daumen ziehen den teilbaren Steg des Slips auseinander und er bläst hauchzart über meinen geschwollenen Kitzler. Das ist Folter pur! Ich lasse mich nach hinten über die Computertastatur sinken und erwarte bebend seine Zunge, wie sie meine Schamlippen teilt und dann … bei Gott, dann lasse ich mich von diesem Kerl flachlegen. Scheiß auf Emanzipation!

Doch nichts dergleichen passiert. Ich brauche ein paar Sekunden, bis ich das Vibrieren neben meinen Händen als die Sprechanlage identifiziere. Benommen blicke ich nach rechts, wo das Summen herkommt. Rotes Blinken verhagelt mir die Lust. »Ist das für Sie, Mr. Sutton?« Meine Stimme klingt belegt vor unerfüllter Lust. Mir erscheint es falsch, jemanden noch zu siezen, der seine Zunge fast – FAST! – in mir gehabt hat, doch bei Sutton ist es irgendwie anders. Ihn zu siezen schafft die nötige Distanz, und ist auf der gleichen Seite so reizvoll, dass ich es unmöglich sein lassen werde. Okay, vielleicht wenn ich seinen Namen stöhne, was niemals vorkommen wird. Niemals. Holla, das ging wirklich schnell. Sobald mein Gehirn nicht mehr von Lust umnebelt wird, kehrt der Zorn auf ihn zurück. Perfekt. An diesem Zorn sollte ich festhalten. Es ist genau das Gefühl, dass ich brauche, um mich an ihm zu rächen. Sutton soll nicht nur vor mir knien und mich lecken, nein, ich will ihn verdammt noch mal aus meiner Firma heraushaben! Und dann … könnte ich vielleicht darüber nachdenken, mal mit ihm auszugehen … oder so. Oper vielleicht, etwas Steifes. Himmel, bei steif fällt mir nur sein Schwanz ein, den ich noch nicht einmal gesehen habe. Verdammt.

All diese Gedanken wirbeln innerhalb einer Millisekunde durch mein Gehirn, während Sutton sich erhebt, am mir vorbei greift und den Knopf auf der Sprechanlage drückt. Mein Kopf gleitet zur Seite und unsere Blicke verhaken sich ineinander. Suttons Hand ruht auf meinem Schenkel. Wie bei einem Pferd. Fast erwarte ich, dass er mich genauso beiläufig tätschelt.

»Ja, Sonja?«, raunt er in die Sprechanlage. Ich schlucke hart, richte mich auf und schiebe seine Hand fort. Hastig rutsche ich vom Schreibtisch und ziehe den Rock über meinen Arsch. Sieht so aus, als wäre die Besprechung beendet.

»Ihr Drei-Uhr-Meeting. Die Vertragsunterzeichnung im Fall Cameron. Das dürfen Sie auf gar keinen Fall versäumen.«

Mein Blick wandert zur Uhr. Es ist noch nicht einmal zwei! Das Luder hat genau gewusst, was hier drinnen abläuft, und sie hatte ihn unterbrechen wollen. Er ist ihr Boss, verdammt! Eifersüchteleien stehen ihr nicht zu. Sutton holt gequält Luft. Es ist ziemlich offensichtlich, dass er genauso darüber denkt wie ich.

»Danke, Sonja. Ich habe es auf dem Schirm«, erwidert er mit gequälter Freundlichkeit und schaltet die Sprechanlage aus. Ich trete hinter ihm vor und stöckele um den Schreibtisch herum, greife nach meiner Tasche und will mich zum Gehen wenden. Doch Sutton ist noch nicht fertig mit mir.

»Logan!«, hält er mich zurück. Ich bleibe tatsächlich stehen, doch ich drehe mich nicht noch einmal zu ihm um. Meine Lust ist auf dem Gefrierpunkt angekommen und trotzdem pocht meine Mitte empört auf, weil ich lieber gehen will, statt mich von ihm über den Schreibtisch beugen zu lassen.

»Was?«, gifte ich zurück. Ich bin stinksauer, weil er seiner Sekretärin keinen passenden Kommentar an den Kopf geworfen hat und … ach, ich bin wegen so vielem stinksauer, dass ich mir nicht mehr die Mühe mache, die einzelnen Schichten meiner Wut auseinanderzuhalten. Es lohnt sowieso nicht. Sutton wird mindestens noch ein Dutzend weitere Vorfälle dieser Liste hinzufügen.

»Ich würde gern mit Ihnen ein paar Details zu Ihrer Tätigkeit im Vorstand von Sutton Enterprices besprechen.« Ich wirbele auf dem Absatz herum und funkele ihn zornig an. Et voila. Da sind sie. Nicht einmal ein winziges Zucken in seinem Gesicht verrät, dass er praktisch dabei war, seine Zunge in mir zu versenken. Innerhalb der letzten Minute ist er von gierigem Verlangen zu professionellem Geschäftsmann gewechselt.

»Wie bitte?«, schnappe ich.

»Morgen? Um 13 Uhr? Beim Mittagessen?«, schlägt er vor, während er in seinem Kalender blättert.

Ich schlucke meinen Ärger hinunter und will mir zumindest nicht die Blöße geben, vor ihm auszurasten oder ihn gar anzuflehen, mich einfach über den Schreibtisch zu legen und … Schluss jetzt!

»Die Details Ihrer Arbeit? Deswegen waren Sie doch hier, oder?« Suttons Mundwinkel zucken. »Passt es Ihnen morgen? Sie wissen ja, meinen Drei-Uhr-Termin kann ich unmöglich verschieben.« Er zwinkert mir verschwörerisch zu. Was soll das? Soll das eine Verabredung zum Ficken werden oder tatsächlich nur Mittagessen? Pah! Ich wette, er wäre überrascht, wenn ich nicht als Dessert zur Verfügung stehe.

»Ich habe Ihr Angebot noch nicht einmal angenommen.« Ich will genauso professionell wie er klingen, aber meine Stimme klingt zu hoch, zu erregt und viel zu schrill.

»Überlegen Sie es sich. Ich lasse von Sonja einen Vertrag vorbereiten mit den üblichen Klauseln. Verschwiegenheitspflicht und …« Er schenkt mir einen intensiven Blick, den ich absolut nicht deuten kann. »… so weiter. Sie wissen schon.« Weiß ich das? Ich bin noch in keinem Vorstand tätig gewesen und habe absolut keine Ahnung, was von mir erwartet wird. Mit dem Boss zu schlafen gehört mit ziemlicher Sicherheit nicht dazu.

»Natürlich, Mr. Sutton«, entgegne ich, diesmal mit festerer Stimme. Meine Unsicherheit wäre ein gefundenes Fressen für einen Hai wie Sutton. Dass mich Bostons Geschäftswelt als eiserne Lady wahrnimmt, habe ich in erster Linie dem Geschäftssinn meines Vaters und meinen schauspielerischen Fähigkeiten zu verdanken. Selbst wenn ich keine Ahnung habe, konnte ich bisher mein Nichtwissen immer erfolgreich überspielen. Ich gehe davon aus, dass mehr als sechzig Prozent der Bostoner Führungsetagen es nicht anders machen. »Ich lasse von meiner Sekretärin einen Tisch reservieren und Ihnen die Adresse übermitteln.« Genauso macht man das. Selbstsicher und arrogant auftreten, Aufgaben delegieren und davonrauschen, bevor man erwischt wird. »Guten Tag!« Und damit wirbele ich auf dem Absatz herum und fliehe aus seinem Büro, vorbei an der eifersüchtigen Schlampe, die mir zweifelsohne ein Dutzend giftiger Blicke in den Rücken schleudert.

Kapitel 4

Es ist ein Codewort. Mittagessen gehen bedeutet in der Bostoner Geschäftswelt immer, sich ganz im Privaten über Geschäfte auszutauschen. Es wäre zu viel des Guten, wenn ich diese Geschäfte als heimlich bezeichnen würde. Dazu sind Restaurants viel zu öffentlich. Man trifft sich und wird praktisch von jedem gesehen, weil jeder es genau so macht. Während man also auf seinen Geschäftspartner wartet, kann man problemlos die anderen Restaurantbesucher sondieren. Im Großen und Ganzen handelt es sich dabei ausschließlich um Geschäftsleute. Allein hier zu sitzen und zu beobachten verschafft einem ein Gefühl, wer gerade mit wem. Und dabei meine ich nicht die sexuellen Beziehungen. Pärchen treffen sich abends, mittags wird knallhart über dem Salat hinweg verhandelt.

Ich bin früher da als Mr. Sutton, nur um die anderen Besucher zu sondieren. Nicht, weil ich auf dem Laufenden bleiben möchte, wer gerade mit wem anbandelt. Nein, das ist zweitrangig. Ich möchte herausfinden, wer ein Interesse daran haben könnte, das ich mit Sutton rummache. Also … ähm, Rush Industries mit Sutton Enterprices selbstverständlich. Unerfreulicherweise fällt mein Blick auf ein Reporterpärchen der Financial Times.

Perfekt, denke ich zynisch. Genau das, was ich brauche. Eine journalistische Auswertung, warum Sutton und ich beim gemeinsamen Mittagessen gesehen worden sind. Ich kann mir jetzt schon meine Antwort auf genau diese Frage beim nächsten Interview zurechtlegen. Sie wird kommen.

»Entschuldigen Sie, dass es etwas später geworden ist.« Sutton. Ich löse meinen Blick von Jennifer Saunders und ihrem Kameramann – das weiß ich, weil ich die Reporterin schon häufiger auf Wohltätigkeitsveranstaltungen gesehen habe – und nicke Sutton milde zu. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, kombiniert mit einem hellblauen Hemd und einer farblich abgestimmten Krawatte. Während er sich setzt, platziert er eine Aktentasche auf dem Stuhl neben mir und öffnet sein Jackett. Darunter kommt eine dunkelblaue Seidenweste zum Vorschein. Sehr nobel und sehr elegant.

»Kein Problem«, entgegne ich und schlage die Beine übereinander. Mein Rock rutscht dabei etwas hoch und entblößt mein Knie. Es ist warm heute, an diesem sommerlichen Tag im August. Suttons Blick fällt auf mein Knie und bleibt eine Spur zu lange dort hängen, um noch als zufällig eingestuft werden zu können. Ich lasse ihn wissen, dass ich seinen Blick bemerkt habe, und greife nach meinem Wasserglas, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu fangen. Sutton räuspert sich verlegen.

»Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ms. Rush«, murmelt er und greift nach seinem eigenen Wasserglas, das bereits gefüllt auf ihn wartet. »Ich hoffe, Sie sind gestern noch gut nach Hause gekommen?« Ich verschlucke mich fast an meinem Wasser.

»Wie bitte?«, entfährt es mir, während ich nach Atem ringe. Spielt er etwa auf unser kleines Intermezzo in seinem Büro an?

»Gestern war ein sehr aufwühlender Tag für Sie, Ms. Rush«, murmelt er und blinzelt mich verstohlen über den Rand seines Wasserglases hinweg an. »Ihr neuer Posten in meinem Vorstand.«

»Dem ich noch nicht zugestimmt habe«, erinnere ich ihn.

»Natürlich.« Sutton nickt mir zu und schlägt die Speisekarte auf. Er tut so, als würde er die angebotenen Speisen studieren, doch er blinzelt mir immer wieder verstohlen zu. »Haben Sie?«

Ich habe meinerseits die Speisekarte aufgeschlagen. Mein Blick wandert ebenfalls immer wieder zu ihm, sonst hätte ich ja nicht merken können, dass auch er mich immer wieder mustert. »Bevor ich eine Entscheidung treffe, sollte ich den Vertrag lesen, meinen Sie nicht auch?«

»Natürlich, natürlich«, murmelt er. »Was nehmen Sie?«

»Pasta, und Sie?«

Suttons Augenbraue hebt sich amüsiert. »Pasta? Sind das nicht etwas viele Kohlenhydrate? Haben Sie heute noch eine sportliche Aktivität vor?«

Mr. Sutton! Ich bin kurz davor, ihm eine empörte Antwort zu geben, doch der Blick, den er mir zuwirft, lässt mich erbeben. Wortwörtlich. Und ich beschließe, sein Spiel mitzuspielen. Nicht, dass ich je vorhatte, mit ihm zu schlafen, aber … Vorsätze sind dazu da, gebrochen zu werden, oder? »Bieten Sie sich etwa an?«, gebe ich schmunzelnd zurück. Einmal, bitte lass ihn einmal die Fassung verlieren!

Sutton tut mir den Gefallen. Seine Miene fällt ins Wasserglas. Langsam lässt er die Speisekarte sinken und beugt sich etwas vor. »Nehmen Sie den Salat!«

War das etwa eine Abfuhr? Das glaube ich nicht. Mr. Ich-vögel-Sie-auf-meinem-Schreibtisch erteilt mir eine Abfuhr? Pikiert lasse ich die Speisekarte sinken. »Nehmen Sie denn den Salat?«

»Ja, natürlich nehme ich den Salat. Erstens muss ich auf meine Figur achten, und zweitens hatte ich gestern Pasta.« Er beißt sich lasziv auf die Unterlippe und klappt die Speisekarte unter meinem schockierten Blick zu. War Pasta jetzt etwa das Codewort für Sex? Will er mir etwa gerade mitteilen, dass er gestern Sex hatte? Mit wem? Mir brennt die Frage, ob er Pasta mit Sonja hatte, regelrecht ein Loch in die Selbstbeherrschung. Aber ich werde ihm nicht den Gefallen tun und ihn danach fragen. Soweit kommts noch! Unsere Beziehung ist rein geschäftlich, also kann er Nudeln essen, mit wem er will. Nudeln! Ah! Hastig verscheuche ich jeden Gedanken an Sex, klappe die Speisekarte zu und räuspere mich.

 

*

 

»Wie Sie wollen, dann den Salat.«

Während wir auf unsere Salate – bäh! Wie ich Grünzeug hasse! – warten, reicht er mir die Vertragsunterlagen. Die Geschwindigkeit, mit der er von Sextalk zu absoluter Professionalität überwechseln kann, ist beneidenswert. Ich nehme mir ein Beispiel an seinem Geschäftssinn und studiere die Verlagsunterlagen. Sutton – oder Sonja? Nein, ich denke jetzt nicht über die Sekretärin nach! – hat sie in eine edle Ledermappe gelegt, die das Emblem seiner Firma ziert. Ehrfürchtig zeichne ich das in Gold geprägte Zeichen nach, ein verschlungenes, feingliedriges ›S‹.

»Das Gold ist echt«, murmelt Sutton. Ich sehe blinzelnd auf. »Nur das Beste … für Sie.« Sein Blick gleicht dem eines Verhungernden, der nach Monaten die erste Fleischmahlzeit vorgesetzt bekommt. Keine Ahnung, wie ich diesen Blick zu deuten habe. Auf der einen Seite jagt er mir einen Schauer übers Rückgrat und auf der anderen Seite frage ich mich, ob Sutton vielleicht vertragsgeil ist. Ja, das könnte in seiner Position eine durchaus korrekte Diagnose sein. Ein Lächeln hängt sich an meine Mundwinkel und ich schlage die Ledermappe auf, ohne seinem Kommentar Beachtung zu schenken.

Meine Augen fliegen über die Zeilen, die einzelnen Punkte unseres Arrangements. Die üblichen Verschwiegenheitsfloskeln lese ich quer. Bevor ich den Vertrag unterschreibe, wird ihn ohnehin mein Anwalt prüfen und dies ist nur ein erster Entwurf. Ich weise Sutton auf ein paar fragliche Formulierungen hin. Als ich den Blick hebe, reicht er mir bereits einen Kugelschreiber. »Versehen Sie alles, was Ihnen aufstößt, mit einem Gegenvorschlag. Ich lasse Ihre Anmerkungen von Sonja einarbeiten.« Dieser Name! Pikiert rümpfe ich die Nase, nehme den Stift von ihm entgegen und beschließe, ganz besonders kritisch zu sein. Als studierte Betriebswirtschaftlerin ist das kein Problem. Ich kann mich an jeder noch so kleinen Formulierung aufhängen, nur um seiner Sekretärin ein paar Überstunden zu bescheren. Im Prinzip weiß ich, dass das klein kariert ist, schließlich habe ich mich wiederholt gegen ein sexuelles Arrangement mit Sutton ausgesprochen. Es sollte mir also egal sein, wenn er seine tägliche Portion ›Liebe‹ bei seiner Sekretärin einfordert. Ist es aber nicht, verdammt. Und das macht mich wütend … auf Sonja. Und auf mich selbst.

Während ich den Vertrag durchgehe, ist der Salat gekommen, doch ich möchte meine Arbeit am Vertragswerk nicht unterbrechen, zumal ich fast durch bin. Nur noch ein paar Seiten … Und dann stoße ich auf einen Absatz, der mir schlagartig den Appetit verdirbt. Ungläubig lasse ich meine Augen den Absatz immer und immer wieder lesen. Da steht es tatsächlich schwarz auf weiß: Sutton fordert eine Zusatzvereinbarung wie in dem Hotelzimmer!

Ich räuspere mich erstickt. »Wie genau meinen Sie Absatz 52a?«, frage ich leicht angesäuert.

Sutton hat derweil mit dem Essen begonnen. Sorgfältig legt er seine Gabel zur Seite und tupft sich den Mund ab, bevor mich seine blauen Augen amüsiert mustern. Offenbar bereitet er sich auf eine längere Ansprache vor.

»Genau so, wie es da steht. Ich wünsche Ihre Gesellschaft bei öffentlichen Auftritten. Sie werden mich – natürlich nur, wenn Sie den Vertrag unterzeichnen – begleiten. Bei allen Events, für die ich dies als erforderlich halte.«

»Die Sie natürlich aussuchen werden?« Erstickt ringe ich um Atem.

»Selbstverständlich«, gibt Sutton ungerührt zurück. »Schließlich kann ich ein beachtliches Maß an Erfahrung in solchen Belangen vorweisen. Was man von Ihnen nicht behaupten kann.«

»Wie meinen Sie das?« Seine Worte sind blanker Hohn und ich weiß genau, wie er das meint. Er spielt auf die Anleitung meines Vaters an. Ich bekleide die Position der stellvertretenden Geschäftsführerin erst seit ein paar Monaten, vorher war mein Vater CEO von Rush Industries und er hat mich unter seine Fittiche genommen. Ihm habe ich meinen Ruf zu verdanken. Und Sutton weiß das. Doch er tut gut daran, es mir nicht unter die Nase zu reiben.

»Ich meine, Ms. Rush, dass jeder von uns noch eine Menge lernen kann. Und ich biete Ihnen hiermit an, aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen zu dürfen.« Wie großzügig! Ich bin fast so weit, einfach aufzuspringen und ihm den Salat in den Schritt zu kippen, jawohl! Doch Sutton ist nicht nur ein eloquenter Redner, nein, er hat auch ein Gespür für die Situation. »Es hat durchaus Vorteile, mit mir gesehen zu werden, Ms. Rush.« Er greift nach seinem Wasserglas und nippt daran, nur um mich erneut über den Rand hinweg anschielen zu können. Ich wette, er hat diese Geste und den dazugehörigen Blick vor dem Spiegel einstudiert. Diese Treffsicherheit, mit der er mir einen Schauer über den Rücken jagt, ist beängstigend.

»Die da wären?«, krächze ich und befeuchte meine Kehle mit etwas Wein. Kein Wasser, ich brauche etwas Stärkeres.

»Lesen Sie die Vereinbarung erneut«, weist er mich an.

»Wieso?« Vollkommen unnötig, mir ist der Wortlaut noch gut im Gedächtnis geblieben.

»Weil Sie ihn offensichtlich nicht richtig verstanden haben.« Er lächelt hintergründig. »Tun Sie mir den Gefallen. Laut, wenn ich Sie bitten darf.« Pah, Sie dürfen nicht! Ich lasse mich doch nicht wie ein Schulmädchen zum Vorlesen auffordern. »Bitte!«, fügt er lächelnd hinzu. »Sie wollen mir gegenüber doch nicht unartig sein.« Unartig? Mir stockt der Atem und ich starre ihn Sekunden lang verblüfft an, habe ein Bild vor Augen, dass ich nie wieder – NIE WIEDER! – aus dem Kopf kriegen werde. Ich, wie ich in schwarze Spitze gehüllt vor Sutton knie, die Hände auf dem Rücken gefesselt, meine Lippen an seinem Schritt und er … wie er den Hosenknopf öffnet. Langsam. Meine Mitte fängt sofort freudig an zu pochen und Sutton lächelt, als würde ich ihm das Bild per telepathischer Verbindung übermitteln. Genau so, denkt er. Und jetzt lesen Sie, sonst … O bitte, ja!

Ich lecke mir über die trockenen Lippen und lese die Vereinbarung laut vor. »Die Vertragsparteien vereinbaren, sich bei öffentlichen Auftritten, die dem Wohle der Firmen Rush Industries und Sutton Enterprices dienen und das Ansehen beider Firmen steigern, als Paar aufzutreten. Darüber hinaus können Arrangements (e.g. das Teilen eines Hotelzimmers) in beiderseitigem Einverständnis getroffen werden. Diese Zusatzvereinbarung, genauso wie sexuelle Gefälligkeiten, sind nicht Bestandteil des Vertrags und können nicht auf Basis dieses Vertrags von einer Vertragspartei gegenüber der anderen Vertragspartei per se eingefordert noch geltend gemacht werden.« Ich schlucke trocken. Ab dem Wort ›sexuell‹ läuft mein Gehirn auf Sparflamme und weigert sich, den Inhalt der Klausel zu begreifen. Ich schüttele den Kopf, um endlich wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Als ich aufsehe, nickt Sutton zufrieden. Wie ein Lehrer, der seine Schülerin für das korrekte Lösen der Aufgabe lobt. Völlig aus der Luft gegriffen wünsche ich mir plötzlich, die Aufgabe nicht korrekt gelöst zu haben und … bestraft zu werden.

»Und was genau bedeutet das?«, murmele ich und verscheuche hastig das Bild, das sich mir unweigerlich aufdrängt. Suttons Hand, wie sie auf meine Pobacke klatscht. Ich zucke zusammen, kann den Schmerz förmlich auf meiner Haut fühlen. Verdammt, dieses Mittagessen nimmt tatsächlich Ausmaße an, die ich noch heute Morgen kategorisch abgelehnt hätte. Yeah, es lebe die Emanzipation!

Suttons Mundwinkel zucken amüsiert. »Das bedeutet, wenn Sie den Wunsch verspüren, von mir über den Schreibtisch gelegt und genommen zu werden, kann ich immer noch ablehnen, ohne dass Sie sich auf diesen Vertrag berufen können.«

»Sie würden ablehnen?« Boah, du dummes, dummes Ding! Das Bild, welches bei seinen Worten vor meinem inneren Auge entsteht, kitzelt sämtliche Nervenenden in meinem Lustzentrum – und sich enttäuscht zusammenziehen, als er seine Möglichkeiten darlegt. Ich glaube nicht, dass er ablehnen würde. Oder?

Suttons Grinsen verbreitert sich. »Das könnte ich. So steht es im Vertrag.« Er greift nach seinem Glas und nippt daran. »Sind Sie jetzt enttäuscht?«

Ich werfe ihm einen missbilligenden Blick zu. »Als ob wir so weit nicht schon gewesen wären.«

Sutton schlägt sich amüsiert auf die Schenkel. »Ich wusste es! Sie sind eifersüchtig!«

»Auf wen? Ms. Pasta?«

Sutton verschluckt sich fast ein seinem Wasser, pardon, es kommt ihm wieder hoch, das Glas hat er nämlich rechtzeitig beiseitegestellt. »Ich habe nicht …«, entgegnet er pikiert.

»Was haben Sie nicht? Genudelt?«

»Ms. Rush! Mir würde im Traum nicht einfallen, Ihnen ein sexuelles Arrangement zu unterbreiten. In diesem Vertragswerk sind lediglich Ihre Tätigkeiten als Mitglied des Vorstandes von Sutton Enterprices deklariert.«

»Unterbreiten Sie jedem Vorstandsmitglied ein solches Angebot?«

Sutton beugt sich vor. »Nur mit denen meine Firma sich ein Bett teilt. Immerhin gehören mir einunddreißig Prozent von Ihnen.«

»Sie meinten wohl eher, einunddreißig Prozent von meiner Firma.«

»Natürlich.« Sutton wirft die Arme in die Luft. »Himmel, ich will doch nicht mit Ihnen schlafen … ich will als Paar mit Ihnen auftreten, um Einigkeit zwischen Rush und Sutton zu demonstrieren …«

»Wofür?« Ich lege die Unterlagen beiseite und beuge mich über meinen Salat. »Zu welchem Zweck?«

Sutton hebt eine Augenbraue. »Ich plane einen groß angelegten Deal mit den Japanern. Doch die Schlitzaugen sind misstrauisch. Wenn sie Untiefen wittern, ziehen sie sich aus jedem Deal zurück.«

»Wie viel?« Und ab da übernehmen meine Instinkte, meine Gene, der Geschäftssinn, auf den mein Vater jahrzehntelang geschworen hat. Wenn wir Rushs ein Geschäft wittern, wenn wir Blut riechen, werden wir zum Hai. Wir blenden alles Nebensächliche aus, konzentrieren uns einzig auf die Beute und folgen ohne Rücksicht auf Verluste dem Geruch des Blutes.

Suttons Mundwinkel zucken. Er ist vom gleichen Schlag, ein Jäger, ein Raubtier im Blutrausch. »Genau deshalb, Ms. Rush, habe ich Ihnen dieses Arrangement unterbreitet. Weil Sie wissen, worauf es ankommt. Ich kann nicht mit einer x-beliebigen Sekretärin bei gesellschaftlichen Anlässen mit den Japanern auftreten. Ich müsste ständig Angst haben, dass sich die dumme Nuss unabsichtlich – und damit mich – ins Aus manövriert. Bei Ihnen weiß ich, dass so etwas nicht vorkommt. Sie wissen, wann man Persönliches hinten anstellen muss und …«

»Wie viel?«, knurre ich ungeduldig, wie eine Löwin, der man ein saftiges Stück Fleisch vorenthält.

»1,2 Milliarden Dollar.« Sutton lehnt sich genüsslich zurück und verschränkt die Arme vor der Brust, lässt mir Zeit, die Summe wie ein zartes Stück Schokolade auf der Zunge zergehen zu lassen.

»Das ist beeindruckend«, entgegne ich. »Und die Details?«

»Sutton Enterprices und unsere Tochterfirmen liefern die Rohstoffe, Sie die Baupläne. Die Ausführung und das Projektmanagement teilen wir uns. Wir reden von einem ganzen Stadtteil. Wohnungen für Sozialschwache, Spielplätze, eine Schule, Supermärkte. Die Japaner rechnen mit Wohnraum für Zwanzigtausend. Die 1,2 Milliarden sind nur unsere Beteiligung, als ihr Partner in den States.«

»Wow, Mr. Sutton. Das ist unglaublich.«

Mein Lob geht ihm runter wie Öl. »Aber nur, wenn ich sie davon überzeugen kann, dass die nötige Infrastruktur, die ein solches Vorhaben benötigt, vorhanden ist. Mr. Yamamoto ist praktizierender Konfuzianer. Er vertritt außerdem ein paar Lehren aus dem Daoismus und da spielt Harmonie eine besondere Rolle. Negative Schwingungen und er zieht sich zurück.«

Ich schüttele verwirrt den Kopf. »Wie kann er ein so immenses Vermögen anhäufen und dann so eine Mimose sein?«

Sutton zuckt mit den Schultern. »Ist mir relativ egal. Ich werde alles tun, um ihn zufriedenzustellen. Und Sie? Sind Sie bereit zu so einem Deal?«

Ich grinse breit. »So lange ich nicht mit ihm schlafen muss, stehle ich mit Ihnen jedes Pferd, dass Yamamoto in seinem Stall haben will.«

Suttons Augenbrauen zucken. »Es reicht schon, wenn Sie mit mir schlafen, Ms. Rush. Und jetzt essen Sie Ihren Salat, Pasta gibt es heute nicht mehr. Es sei denn, Sie begleiten mich heute Abend auf das Dinner, welches Sutton Industries zu Ehren Yamamotos gibt. Dort könnte es durchaus Pasta geben.«

Kapitel 5

Ich bin fest davon überzeugt, dass Sutton nur einen Scherz gemacht hat. Doch als am späten Nachmittag ein Paket direkt zu mir ins Büro geliefert wird, bin ich mir nicht mehr so sicher. Nein, die Gewissheit trifft mich mit voller Wucht, als ich den Deckel von dem schwarzen Karton hebe und eine rote Karte mit goldener Schrift zum Vorschein kommt. Goldene Tinte, wie verschwenderisch. Ich könnte mich jetzt über die Prunksucht des Zak Sutton auslassen, doch ich bin viel zu ergriffen von dem Papier. Das Material der Karte ist einzigartig, so rau und doch so weich. Ehrfürchtig lasse ich die Fingerspitzen über die ungleichmäßige Struktur gleiten. Handgeschöpft, Sutton schickt mir eine Karte aus handgeschöpftem Papier, geschrieben mit goldener Tinte. Persönlich, die Signatur, ein selbstsicher geschwungenes Z, entbehrt jeden Zweifel. Sutton ist eine sehr starke Persönlichkeit.

Der Text ist fast schon nicht mehr wichtig, zumal nur wenige Zeilen geschrieben wurden. Man könnte meinen, um die teure Tinte zu sparen, aber Sutton ist nicht geizig, nein, er bringt es nur gern ohne lange Rede auf den Punkt. »19:30 Uhr, der Wagen erwartet Sie. Ziehen Sie NUR das Kleid an. Passendes Schuhwerk füge ich bei.«

Ein Lächeln hängt sich an meine Mundwinkel, bis mir klar wird, was er meint. Das NUR fordert mich mit kecken Großbuchstaben und doppelter Unterstreichung heraus. Also ohne Höschen. Mr. Sutton! Empört schnappe ich nach Luft. Ich werde ihn ganz sicher nicht zu einem Dinner unten ohne begleiten.

Ich schnaube fast den ganzen Nachmittag, doch als ich am Abend auf die Limousine warte, brennt meine Haut noch von der frischen Rasur. Natürlich habe ich seine Anforderung erfüllt. Scheiß auf Emanzipation. Allein der Gedanke, einen ganzen Abend luftig leicht neben Sutton zu flanieren und zu wissen, dass er weiß, dass ich tatsächlich nur das Kleid anhabe, lässt mich alle Zweifel in den Wind schlagen. Es ist der Reiz des Verbotenen, zu delikat, um nicht einmal ausprobiert zu werden. Ja, verdammt, ich bin risikofreudig und ein bisschen verdorben.

Das Kleid ist fast zweitrangig. Eine gewebte Sünde aus makelloser Seide, die sich wie eine zweite Haut an meine Rundungen schmiegt. Jeder, der meine perfekt geschwungenen Kurven bewundert, wird wissen, dass man unter dem hauchdünnen, anschmiegsamen Stoff die Kontur eines Höschens sehen müsste. Man weiß einfach, was man sehen müsste … oder sie trägt nichts drunter. Simpelste Mathematik. Und dann macht es bei mir Klick. Leider viel zu spät.

Ich öffne die Tür und vor mir steht er, in einem Smoking. Sutton ist schon in einem gewöhnlichen Anzug – obwohl seine Kleidung alles andere als gewöhnlich ist – eine Augenweide. Aber im Smoking … Himmel. Er sieht so gut aus, dass er den Glanz meiner Erscheinung mühelos in den Schatten stellt. Sein kurzes Haar hat er sich nach hinten gekämmt und einen leichten Kamm geformt. Über den Smoking gäbe es nicht viel zu verlieren, ein Smoking eben. Doch bei Zak Sutton ist jeder Atemzug von Extravaganz begleitet. Die Revers sind aus purpurfarbener Seide, die in perfekter Harmonie zu dem Rot meines Kleides stehen. Als wäre mein Kleid für seinen Anzug entworfen worden – oder umgekehrt. Daran glaube ich schon eher. Sutton würde mein Aussehen eher seinem Auftritt anpassen als andersherum – er ist nicht der anpassungsfähige Typ, er gibt den Trend vor und andere haben ihm zu folgen. Und heute wird Purpur und Rot getragen. Doch all diese winzigen Details blende ich aus, als ich seinen Blick bemerke. Die Welt um mich herum schrumpft zusammen, verliert an Bedeutung und ich werde zum Mittelpunkt – zu seinem Mittelpunkt. Plötzlich komme ich mir nicht mehr zurückgesetzt vor, wandle nicht in seinem Schatten. Plötzlich erstrahle ich, nur weil er der Scheinwerfer ist, der mich in Szene setzt. Seine Augen gleiten über jeden Zentimeter meines Körpers, schenken jeder Rundung die ihr gebührende Aufmerksamkeit, verharren an ausgesuchten Stellen etwas länger. Sein Blick versenkt die Seide und entfacht eine Spur heißen Verlangens auf nackter Haut. So wie Sutton mich ansieht, könnte ich genauso gut nackt vor ihm stehen. Er verharrt einen Augenblick zu lange an meiner Hüfte. Meine Nackenhaare stellen sich auf, als ich gespannt auf seine Reaktion warte. Fast unmerklich zuckt sein Mundwinkel und ein zufriedener Ausdruck legt sich über seine aalglatte Miene.

»Bezaubernd, Sie sehen bezaubernd aus, Ms. Rush«, murmelt er und hält mir auffordernd seinen Arm hin. Ich greife nach meiner farblich abgestimmten Clutch und will mich bei ihm unterhaken, doch Sutton lässt mich an sich vorbei gehen, während er die Tür schließt. Ich warte auf dem obersten Treppenabsatz und bewundere die weiße Limousine, die vor meinem Stadthaus parkt. Er hat sich wirklich Einiges einfallen lassen, um mich zu beeindrucken. Nicht, dass ich nicht als emanzipierte und selbstständige Frau ein eigenes Auto hätte oder ich pikiert gewesen wäre, wenn er mich mit einem Kleinwagen abgeholt hätte, nein. Ganz im Gegenteil. Trotzdem fühle ich mich geschmeichelt und lasse mich gern ein wenig verwöhnen. Mögen wir das nicht alle? Ich jedenfalls bin ziemlich beeindruckt. Eine weiße Limousine, ich bin noch nie mit einer Limousine abgeholt worden, noch nie.

Ein Luftzug streift meinen Nacken. Ich fröstele und ziehe automatisch die Schulterblätter zusammen, doch dann spüre ich seine Körperwärme und erschauere – diesmal nicht vor Kälte. Zärtlich zeichnet Sutton meinen Nacken nach, ob mit den Fingern oder den Lippen kann ich nicht genau sagen, allein seine Berührung bewirkt, dass meine Knie weich werden und ich mich bemühen muss, nicht laut zu seufzen. »Sie tragen keinen Schmuck«, murmelt er und setzt meine Haut in Brand.

Hastig greife ich nach dem Geländer, ehe ich taumelnd zusammensinke und er sich dazu genötigt fühlt, mich aufzufangen. Himmel, wenn ich jetzt schon in seinen Armen lande, können wir das Dinner vergessen. Und ich sterbe vor Hunger … echtem, richtigem Hunger. »Ich hatte keinen passenden.«

»Ich mag Ihren Nacken blank, am liebsten gebeugt unter mir«, raunt er. »Aber heute möchte ich Ihren wunderschönen Hals in Szene setzen.« Stoff raschelt, als er die Hand in seiner Smokingtasche versenkt und mit etwas Glitzerndem wieder auftaucht. Kühles Metall legt sich auf meine Haut, als er mir ein Collier umlegt und dabei ausgiebig meinen Hals erkundet. Verblüfft neige ich den Kopf und schnappe nach Luft. Ein Collier aus Weißgold mit winzigen, dafür aber fast unzähligen Diamanten bestückt, ziert meinen Hals. Ich brauche nicht nachfragen, die Diamanten sind mit Sicherheit echt.

»Aber, Mr. Sutton«, hauche ich und berühre vorsichtig das Gold.

»Nicht der Rede wert. Ich schenke es Ihnen.« Sutton ist mir so nahe, dass sein heißer Atem meine Härchen in Schwingungen versetzt. Eine Kaskade von köstlichen Schauern durchfährt mich, immer und immer wieder. Ich kann ein Seufzen nun nicht mehr unterdrücken und rette mich in einen Tadel.

»Mr. Sutton«, hauche ich und klinge dabei so, als hätte er gerade die Schlafzimmertür hinter uns geschlossen – und nicht die Haustür.

»Nehmen Sie es an. Ich bestehe darauf. Wenn nicht, weiß ich nicht, ob ich Ihnen noch lange widerstehen kann und meinen Willen notfalls mit sanftem Druck durchsetzen muss«, murmelt er und legt seine großen Hände auf meine Schultern. Sanft liebkost er meinen Nacken. Seine Finger schließen sich um meinen schlanken Hals, während seine Daumen den Haaransatz nachzeichnen.

»Vielleicht fällt es Ihnen leichter«, murmele ich und schmiege mich unbewusst in seine Berührung, »wenn wir uns unter Menschen befinden.« Ich deute auf die wartende Limousine. Keine Ahnung, was mich zur Eile treibt. Vielleicht der Gedanke, dass wir möglicherweise nie bei dem Dinner ankommen werden, wenn wir noch länger hier rummachen. Ja, ganz genau. Sutton macht auf offener Straße mit mir rum!

Mittlerweile ist der Fahrer – James! – ausgestiegen und sieht sich ungeduldig nach uns um. Als er meinen Blick bemerkt, rollt er mit den Augen. Nicht gerade ein angemessenes Verhalten.

»Mh«, seufzt Sutton. »Dann muss ich Sie heimlich anfassen. Was nicht weniger reizvoll ist. Zumal Sie nichts tragen, was mich behindern könnte.«

Ich kichere leise. »Würden Sie sich etwa von einem lächerlichen Slip aufhalten lassen? Ich müsste schon einen Keuschheitsgürtel tragen.« Seine Finger schließen sich um meinen Hals und üben sanften Druck aus. Beim letzten Word verstärkt er den Griff und ich bekomme fast keine Luft mehr. Panik kommt in mir auf und ich ringe um Atem, doch er haucht mir beruhigende Worte ins Ohr.

»Wenn ich wollte, hätte ich Sie längst gehabt. Aber ich will es auskosten. Jede Begegnung mit Ihnen, Ms. Rush, ist ein reizvolles Spiel. Sie sind feurig wie das Rot dieses Kleides und ich werde es Ihnen mit Freuden über die Hüften schieben und mich zwischen Ihren Schenkeln vergraben.«

Ich schnappe keuchend nach Luft, unfähig, etwas zu erwidern. Zum einen, weil mir Suttons Hände die Atemluft abschnüren und ich das bisschen, was er mir lässt, zum Überleben brauche. Zum anderen, weil seine Worte und seine Nähe dafür sorgen, dass ich nicht mehr denken kann. Oh, Gott, ja!, will ich keuchen, aber ich kann nicht – aus genannten Gründen. Verdammt.

Sutton deutet mein Luftschnappen falsch, doch die Worte könnten nicht weniger schön sein. »Ich würde niemals etwas tun, was Sie nicht genießen könnten. Vertrauen Sie mir, dann wird der Abend ein prickelndes Erlebnis.« Zärtlich liebkosen seine Lippen meine Ohrmuschel und er lockert seinen Griff, legt eine Hand auf meine Taille und zeichnet mit der anderen erst das Collier, dann meinen Ausschnitt nach. Himmel, er wird doch nicht die Hand in mein Kleid schieben? Ich wölbe mich ihm seufzend entgegen, woraufhin ich ein leichtes Vibrieren an meinem Rücken spüren kann. Sutton lacht. »Vertrauen Sie mir, Ms. Rush?«

Ich drehe den Kopf etwas zur Seite und sehe ihm tief in die vor Lust getrübten Augen. Ich fürchte, mein Blick ist genauso verhangen.

Meine Antwort sollte schlagfertig, mit einer Spur Trotz sein, doch ich bin unfähig, mich gegen ihn aufzulehnen. Die gehauchten Worte sind ein Hohn auf das Ansehen, das ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe, so sehr, dass ich eine Spur Verachtung auf das bebende Wesen, welches an Suttons Brust lehnt, verspüre. »Immer.«

 

*

 

Meine Haut ist so empfindlich, dass mich bei jedem Schritt heißes Verlangen durchzuckt. Die kühle Seide arbeitet gegen mich und Suttons Gesellschaft ist das I-Tüpfelchen. Unruhig reibe ich die Schenkel aneinander und lasse den Blick immer – wie zufällig, natürlich – zu ihm schweifen. Der Mistkerl fängt ihn jedes Mal – JEDES Mal! – auf und schenkt mir ein wissendes Lächeln. Mal zucken seine Mundwinkel, mal gönnt er sich einen langen, sehr tiefen Einblick in mein Dekolleté und einmal versenkt er seine Augen zwischen der Falte, die das Kleid in meinem Schoss wirft. Es kostet ihn seine gesamte Selbstbeherrschung, seine Hände nicht folgen zu lassen. Ich für meinen Teil würde zu gern wissen, wie er sich anfühlt. Er hatte seine Lippen bereits so oft auf meinem Körper, dass ich mich ein wenig ungerecht behandelt fühle. Okay, ich kam jedes Mal auf meine Kosten, aber trotzdem will ich wissen, wie sich Suttons Brust anfühlt, will meinen Finger um seinen Hosenbund wandern lassen und ihn nach zwei, drei verführerischen Runden darin versenken - verdammt. Erneut reibe ich die Schenkel aneinander und Sutton wirft mir einen tadelnden Blick zu.

»Sie brauchen nicht nervös sein, Ms. Rush«, sagt er und legt beiläufig seine Hand auf mein Knie. Was eine beruhigende Berührung sein soll, entfacht in mir den Wunsch, tiefer zu rutschen, damit seine Hand automatisch höher wandert. Doch es bleibt bei dem Wunsch. Himmel, ich benehme mich wie ein hormongesteuerter Teenager. Fehlt nur noch, dass ich ihn anflehe, mich endlich zu besteigen. Schluss jetzt! Das ist ein offizielles Dinner für Yamamoto, der eine unverschämt hohe Summe in Bostons Wohnungsbau investieren will, und wir – Sutton und ich – werden den Löwenanteil unter uns aufteilen. Um nichts in der Welt werde ich diesen Deal wegen eines feuchten Höschens vermasseln. Nur zu dumm, dass ich gar kein Höschen trage.

Himmel! Ich schließe die Augen und atme tief durch. Der Abend wird meine Nerven auf eine harte Probe stellen.

Suttons Finger bohren sich in mein Fleisch und erregen damit meine Aufmerksamkeit. »Wir sind da«, murmelt er und beugt sich zu mir. Ich folge seinem Blick. Die Limousine hält am Straßenrand, auf meiner Seite. Als ich aus dem Fenster sehe, stockt mir der Atem. Das ist kein einfaches Dinner, das ist eine … Gala.

»Was zur Hölle ist das?«, stammle ich.

Suttons Mundwinkel zucken. »Ich habe Yamamoto als Ehrengast zu diesem Wohltätigkeitsball eingeladen. Wir beide – Sie, Ms. Rush, und ich – werden heute unser Projekt der Öffentlichkeit vorstellen und Yamamoto wird eine großzügige Spende an den städtischen Wohnungsbau leisten. Wir stellen ihn der Bostoner Gesellschaft vor. Lächeln Sie nett und wir haben jede Genehmigung des Bauamtes in der Tasche. Die Spende wird ohnehin dafür sorgen, dass die Stadt ihn mit offenen Armen willkommen heißt. Doch um kein Risiko einzugehen, stellen wir beide uns hinter ihn. Wenn zwei der größten Immobilienkonzerne Bostons ihm zur Seite stehen, wird kein Zweifel aufkommen.« Ich kann mich praktisch dabei beobachten, wie sich Suttons Plan vor meinem inneren Auge entfaltet. Ich bin – genau wie Sutton – in Boston geboren. Wir sind Kinder dieser Stadt und dienen Yamamoto als Verbindung. Er ist unser Freund und als solcher wird ihn die Stadt willkommen heißen. Was wiederum weniger Schwierigkeiten bei den Genehmigungen der Baupläne, bei den Gutachtern und den Behörden bedeutet. Doch wenn nur Sutton als Yamamotos Partner aufgetreten wäre, hätte ihm die Upper Class vermutlich nicht geglaubt. Mein Gesicht perfektioniert diese Image-Kampagne und öffnet Yamamoto Tür und Tor.

»Ganz schön clever«, murmele ich und kann nicht widerstehen, Suttons markantes Kinn nachzuzeichnen. Er blinzelt mich irritiert an.

»Nicht halb so clever, wenn wir nicht überzeugend sind. Also lassen Sie uns die Stadträte, den Bürgermeister und all die anderen Entscheidungsträger bezirzen.«

Ich nicke und beuge mich leicht vor, schließe die Finger um Suttons Fliege und ziehe ihn zu mir. »Für diesen Abend sollten wir ein paar Regeln aufstellen, meinen Sie nicht auch, Mr. Sutton?«

Sutton weicht zurück und sieht mich blinzelnd an. »Wie meinen?«, krächzt er, während ich noch mehr Druck ausübe, um seine Flucht zu verhindern.

»Ich meine, dass Sie Ihre Avancen unter Kontrolle behalten sollten, bis der Deal unterschrieben und im Safe verstaut ist.« Nicht, dass ich etwas dagegen habe, mit Sutton zu schlafen, und jede versaute Fantasie, die hinter seiner Stirn lauert, auszuleben. Aber Geschäft ist Geschäft und der Deal geht vor. Lieber würde ich mein restliches Leben keusch in einer Hütte in Aspen verbringen, als den Deal mit nur einem unzüchtigen Gedanken zu gefährden. Sutton ist durch und durch Geschäftsmann, ich erwarte von ihm absolute Professionalität, doch der Blick, den er mir auf meinen Vorschlag hin zuwirft, könnte nicht eigenwilliger sein.

»Zak?«, hake ich nach und benutze absichtlich seinen Vornamen.

Details

Seiten
ISBN (ePUB)
9783739494548
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (April)
Schlagworte
Liebesroman Boss sinnlich Firmenübernahme Schicksalsschlag Romance Starke Frauen Familienunternehmen Wirtschaftsroman Boston

Autor

  • Kitty Harper (Autor:in)

Kitty Harper ist das Pseudonym einer jungen Mutter, die gerne in sinnliche Erotik abtaucht, ohne dabei vulgär zu weden. Manchmal ein wenig SM, manchmal aber auch starke Frauen, die den Herren der Schöpfung zeigen, wo es langgeht. Kitty hofft, dass ihr genauso viel Spaß an ihren Geschichten habt, wie sie selbst.